Architektur konkret: »'89 - '09 Freiheit und Freier Beruf«
Die vielleicht überstrapazierte Anlehnung an 20 Jahre Mauerfall mochte inhaltlich aufgrund der überaus zahlreichen Veranstaltungen und Beiträge in den Medien zu diesem Thema etwas überfrachtet klingen, jedoch bot der 5. Mitteldeutsche Architektentag Möglichkeiten, über Entwicklungen und Positionen zu sprechen und die Besonderheit des Freien Berufes herauszuheben.
Dieser Beitrag, verbunden mit visuellen Eindrücken (die olfaktorischen Eindrücke auf der Empore des Hauptbahnhofes lassen sich leider nicht oder noch nicht darstellen), soll gleichwohl nicht nur Rückschau auf den MAT, sondern vielmehr auch eine Vorschau auf Entwicklungen und Positionen aufzeigen.
Die Zeit der Wende, eng verbunden mit der Möglichkeit der freien Berufsausübung, wurde in bewegenden und sehr persönlichen Vorträgen, die eine „Werkschau“ eher in den Hintergrund rückten, dargestellt. Auch wenn die Frage, wie frei wir wirklich sind, von jedem anders beantwortet werden wird, müssen wir uns einiger grundsätzlicher Merkmale unserer Berufsausübung immer wieder bewusst sein.
Die Herausbildung der heutigen Freien Berufe steht in intensiver und unmittelbarer Abhängigkeit der Entwicklung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Bedingungen und sind mit den jeweiligen politischen Gegebenheiten eng verflochten.
Die Freien Berufe bildeten sich nicht nur als Spiegelbild, sondern auch als Träger der ganzen Fülle geistiger Kreativität heraus. Es bedarf Persönlichkeiten, die über die geistige Freiheit verfügen können, um zu solch individuell geprägten Leistungen in der Lage zu sein.
Wir als Architekten, mit einer Art Grundgesetz für den Architektenberuf, haben das Privileg, demokratisch legitimiert in die Politik eingreifen und auftreten zu können. Die Einführung der neuen HOAI, wenn auch in einigen Punkten noch nicht zufriedenstellend gelöst, kann als Erfolg für uns Architekten und Stadtplaner gewertet werden. Auch die Gründung der Bundesstiftung Baukultur zeigt, dass unsere Berufsinteressen durchaus in der Politik verankert werden können.
So kann eine „Innenschau“ wie der Mitteldeutsche Architektentag als Baustein für die Öffentlichkeitsarbeit auch Impulse für das weitere Engagement der Arbeit in der Öffentlichkeit geben. Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand der Architekten bedeutet u.a. die Vermittlung von Notwendigkeit hochwertiger Planung in der Öffentlichkeit sowie das Thema Baukultur, verbunden mit einem fundierten und umfassenden Ausbildungsniveau, weiter ins Gespräch zu bringen.
Jedoch bedeutet Öffentlichkeitsarbeit auch die Ausrichtung nach innen, die Kammer sind wir alle und sie ist nur so stark wie ihre Mitglieder sie machen, nur so kann gesellschaftlich etwas bewegt werden und dafür brauchen wir unsere berufständige Organisation. Wir müssen die Kammer auch als Selbstverwaltung sehen, die man prägen und beeinflussen kann und wir als Kollegen müssen uns in gesellschaftliche Diskussionen einmischen und mitreden. Unsere Unterstützung und konstruktive Kritik ist nicht nur Voraussetzung für unsere besondere kulturelle Verantwortung für die Qualität der gebauten Umwelt, sondern entscheidet auch über unsere Zukunftsfähigkeit.
Dass unsere Arbeit, ausgehend vom Gedanken der Auswahl des Ortes des 5. Mitteldeutschen Architektentages am Dresdner Hauptbahnhof als Ort des Besinnens, einen Halt, für Verweilen, für Ankunft und Begrüßung, <b>auch an Fahrt und Diskussionsfreudigkeit gewinnt,
wünscht sich mit den besten Grüssen
Anke Brandt, Mitglied des Vorstandes der AKS