Umfrage zur Büro und- Kostenstruktur 2009

Ergebnisse für Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen

Lage der ostdeutschen Architekturbüros deutlich verbessert
Zweite bundesweite Büroumfrage unter den deutschen Architekturbüros

Im September 2009 wurde deutschlandweit zum zweiten Mal eine einheitliche Büroumfrage unter den freiberuflichen Architekten und Stadtplanern durchgeführt. Um eine genügend große Anzahl von Antworten für eine statistisch belastbare Analyse auch für den eigenen Wirtschaftsraum zu erhalten, hatten sich die Architektenkammern der Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wieder entschlossen die Umfrage gemeinsam durchzuführen und auszuwerten.

Die Auswertung ergab für die Architekturbüros im Umfragegebiet ein durchweg positives Ergebnis.


Wenn auch noch nicht auf dem bundesdeutschen Durchschnittsniveau, ergaben sich doch bei fast allen wichtigen Parametern deutliche, teilweise sogar markante Verbesserungen. Auslastung, Umsatz und Gewinn nahmen zu, die durchschnittliche Bürogröße und damit die Anzahl der Beschäftigen ist erstmals seit langem wieder leicht angestiegen, die Zahlungsrückstände und -ausfälle haben abgenommen.


Der positive Trend, der bereits in der Frühjahrsumfrage der Architektenkammer Sachsen festgestellt wurde, hält weiterhin an. Dabei scheint auch die aktuelle Wirtschaftskrise an den Architekturbüros ohne größere Auswirkungen vorbeizugehen. Eher im Gegenteil: Im Durchschnitt bewerten die Büros ihre aktuelle Lage mit 2,7 (Skala 1 bis 5) noch geringfügig besser als die im Jahr 2008, das sich gegenüber den Vorjahren ebenfalls schon deutlich verbessert gezeigt hatte.

Nur rund ein Drittel der Büros fühlt sich von der Wirtschaftkrise betroffen (15% stark), die anderen spüren keine Auswirkungen und erwarten wohl auch keine. Dem gegenüber hat ein gutes Drittel der Büros von den Konjunkturpaketen profitiert mit zusätzlichen Aufträgen, die im Schnitt in diesen Büros ein Umsatzplus von 25% ausmachten.


Rücklauf

Angeschrieben wurden 2930 freiberuflichtätige Architekten; es gingen Antworten von 302 Büros ein (zuzügl. 18 Antworten von Mitgliedern im Ruhestand) mit insgesamt 390 Architekten als Inhaber. Dies entspricht einer Rücklaufquote von knapp 14%. Diese liegt damit im bundesweiten Durchschnitt, die Antworten ergeben für die meisten Fragestellungen eine stabile Datengrundlage.

Allen Kolleginnen und Kollegen, die sich beteiligt haben, sei hier noch einmal ausdrücklich gedankt.



Wirtschaftliche Situation:

Deutlich verbesserte Auftragslage und Auslastung
Wie schon bei der Konjunkturumfrage in Sachsen im Frühjahr festgestellt werden konnte, ist die Auftragsreichweite insgesamt stark angestiegen und beträgt zur Zeit im Durchschnitt 6,2 Monate gegenüber 4,4 Monaten in 2007 (Sachsen 4/2009: 5,8 Monate). Der Anteil der Büros mit Arbeit für einen Monat oder weniger ist von 17% auf 6% und der Büros ohne Aufträge von 8% auf 2% gesunken. 

Deutliche Unterschiede gibt es bezogen auf die Bürogröße und auf den regionalen Standort. Reicht der Auftragsbestand bei 1-Personenbüros für 5,5 Monate (3,8 M in 2007), sind es bei den Büros mit sechs oder mehr Mitarbeitern 9,1 Monate (6,5 M in 2007). Im ländlichen Raum gibt es Arbeit für 5,6 Monate (3,5 M in 2007), in der Großstadt mit Einzugsgebiet für 6,4 Monate (4,6 M in 2007).

Auch die Auslastung der Büros hat sich deutlich verbessert. War Sie 2007 auf nur durchschnittlich noch 71% abgesunken, liegt sie aktuell bei rund 84%, eine Entwicklung, von der insbesondere auch die kleinen Büros profitieren, die mit 88% einen besonders hohen Wert erreichen (2007: 64%). Auch bei der Bewertung der aktuellen Auftragslage (auf einer Skala von eins bis fünf) verbessert sich der Wert von durchschnittlich 3,1 auf 2,7. 





Anstieg bei Umsatz und Gewinn

Auch die Situation beim Umsatz und beim Gewinn verbessert sich deutlich. Es liegen jedoch noch keine Vergleichzahlen für die alten Bundesländer vor, um einschätzen zu können, ob sich der enorme Abstand der in der Umfrage 2007 festgestellt wurde, verringert hat.


Der durchschnittliche Gewinn pro Büro stieg um rund 1 Drittel aufknapp 50.000 €. Bezogen auf die Anzahl der Beschäftigten nahm der Umsatz pro VBE über alle Büros gerechnet auf rund 52.000 € zu, bei den Büros mit 5 oder mehr Beschäftigen auf knapp 67.000 € (2006: 50600 €). Der Vergleichswert in Nordrhein-Westfalen lag 2006 bei rund 75.000 €.

Bei 1-Personenbüros stieg der Umsatz erheblich von 36.100 € auf 43.000 € und der Gewinn (also das Einkommen vor Steuern und Sozialabgaben!) auf rund 25.000 € zunahm.

 

 

Gewinnsituation macht Investitionen möglich

Angesichts der in den letzten Jahren ständig fallenden Investitionsquote muss von einem erheblichen Inves­ti­tions­rückstau bei den Architekturbüros ausgegangen werden. Die bessere wirtschaftliche Situation ermöglichte es den Büros im Berichtsjahr 2008 hier etwas auszugleichen. So stieg die Investitionssumme pro Büro 2008 wieder auf durchschnittlich 5.700 € nachdem sie 2007 noch rund 1000 € niedriger lag. Auch berechnet pro Arbeitsplatz ergibt sich eine Verbesserung von 1.400 € auf rund 1.800 Euro.

weniger Außenstände und Verluste

Zusätzliche Belastungen ergeben sich für die Büros durch hohe Außenstände. Jedoch hat sich auch die Zahlungsmoral deutlich verbessert. Insgesamt 2,7 Millionen Euro liegen außerhalb der Zahlungsfrist, pro Büro 8.900 € (2006: 12.550 €). Mehr als jedes vierte Büro (27%) (2007:36%) muss darüber hinaus Verluste abschreiben. Insgesamt 0,9 Millionen Euro gingen den befragten Büros 2008 verloren. Neben der Anzahl der betroffenen Büros gingen aber auch die durchschnittlichen Verlustsummen deutlich zurück (10.000 € zu 18.000 €).



Büro- und Auftragstruktur


Struktur der Büros

Die Struktur ist weiterhin sehr kleinteilig, obwohl die Mitarbeiterzahl geringfügig gestiegen ist. Der Anteil der Büros, in denen nur der Inhaber tätig ist, stieg sogar noch von ca. 40% 2007 auf rund 46%, in Gemeinden unter 50.000 Einwohner außerhalb der Ballungsgebiete liegt er sogar bei 52%. Gleichzeitig stieg auch der Anteil der Büros mit 5 oder mehr Mitarbeitern von 13,8% auf gut 16%. Unter Einrechnung auch der Teilzeitbeschäftigten sind in den Architekturbüros durchschnittlich 3 Personen vollzeitbeschäftigt. Damit kann seit längerem erstmals wieder eine Zunahme gegenüber den Vorjahren registriert werden, nachdem die Umfrage 2007 noch einen Tiefststand von 2,7 VBE/Büro festgestellt hatte. Hierzu passt auch, dass immerhin 10% der Büros Einstellungen planen, aber nur 6% Entlassungen.

77% der Büros werden als Einzelbüros geführt, 14% als GbR, der Rest verteilt sich gleichmäßig auf Partnerschaftsgesellschaften und GmbH.


Auftragsstruktur

Die Auftragstruktur der Büros hat sich nur wenig verändert. Weiterhin entfallen rund zwei Drittel der Aufträge auf private Auftraggeber und ein Drittel auf  die Öffentliche Hand, wobei 1-Personen-Büros nur weniger als ein Viertel ihrer Aufträge von öffentlichen Auftraggebern erhielten, während bei Büros mit sechs oder mehr Mitarbeitern der Anteil rund 50 Prozent ausmacht. Hier allerdings gibt es eine deutliche Differenz zwischen großstädtischen Ballungsgebieten und dem ländlichen Raum. Besonders deutlich wird dies bei Büros mit dem Tätigkeitsschwerpunkt „Architektur“. Während die 1-Personen-Büros im großstädtischen Bereich nur rund 10% ihrer Aufträge von der Öffentlichen Hand erhielten, waren es auf dem Land fast 30%.


Die Verteilung von Aufträgen im Bereich Neubau/Altbau verschiebt sich weiter zu Lasten der Neubautätigkeit. So wurden nur noch 37% der Aufträge in diesem Bereich realisiert. Viele Büros reagieren darauf mit Spezialisierung. Rund 40% aller Büros tätigen mehr als 80% ihrer Aufträge im Bereich Altbau, ca. 10% der Büros haben sich im gleichen Umfang auf den Neubau verlegt. Dies allerdings nur im großstädtischen Raum. In ländlichen Gebieten beträgt der Anteil der Büros mit Schwerpunkt Neubau nur ca. 2%.



Verhandlungsverfahren und Wettbewerbe

Möglicherweise als Reaktion auf eine allgemein verbesserte Auftragslage scheint es eine besonders negative Entwicklung bei der Auftragsvergabe durch Verhandlungsverfahren zu geben. Angesichts der schlechten Aufwand/Nutzen Relation ist die Zahl der Büros, die an solchen Verfahren teilnehmen,  deutlich gesunken. Hatte sich bei der letzen Umfrage 2007 noch ein Viertel aller Büros um Aufträge im Verhandlungsverfahren beworben, waren es im letzen Jahr nur noch ein knappes Fünftel. Soweit Büros teilnahmen, bewarben Sie sich durchschnittlich in acht Verfahren. Wurde 2007 noch die Hälfte dieser Büros zumindest ein Mal zum Verhandlungsgespräch eingeladen, waren es nun nur noch ein Drittel, und nur 13% der Büros konnten zumindest einmal einen Auftrag verzeichnen (2007 ca. 25%).

Durchschnittlich ergaben sich auf 9 Bewerbungen ein Verhandlungsgespräch und nur noch auf 33 Bewerbungen (2007: 18 Bewerbungen) ein Auftrag. Die Erfolgsquote sank damit weiter von 5,6% 2007 auf nun 3,0%.


Auch die Teilnahmequote bei offenen Wettbewerben ist weiter abgesunken. Hatten sich 2007 14% der Büros an offenen Wettbewerben beteiligt, waren es im letzten Jahr nur noch knapp 7%, im Schnitt 6,5 mal. Nur noch ein Drittel der Bewerbungen (2007 ca. 50%) mündete in Einladungen, für 11% gab es Preise, für 3% Aufträge.
Deutlich besser sieht die Aufwand/Nutzen Relation bei Einladungswettbewerben aus. Für den kleinen Kreis von 7% der Büros, die eine Einladung erhielten, ergab sich hier auf drei Wettbewerbsarbeiten ein Auftrag.


Kosten in Architekturbüros

Die durchschnittlichen Kosten pro Vollzeit beschäftigte Person - ohne Berücksichtigung von Honoraren für Fremdleistungen - lagen 2008 bei rund 27.000 €. Dabei steigen diese Kosten mit zunehmender Bürogröße. Während 1-Personen-Büros bei durchschnittlichen Kosten von 17.600 € liegen (2007 16.000 €),  steigt dieser Satz bei Büros mit sechs oder mehr Mitarbeitern auf rund 35.000 € und bleibt damit auf gleicher Höhe wie in der Umfrage 2007.


Bei der Kostenstruktur gibt es weiterhin große Unterschiede entsprechend der Bürogröße. Während in den kleinen Büros die Sachkosten mit über 90% die größte Position einnehmen, liegt dieser Anteil in den größeren Büros bei nur gut 25%.

Dafür machen in diesen Büros die Personalkosten mit knapp 60% den Löwenanteil aus. Der Kostenanteil für die Bezahlung freier Mitarbeiter liegt bei allen Büros bei knapp 7%.

T. Schrader

im Auftrag der Architektenkammern der Länder Brandenburg,
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen






Umfrage Büro- und
Kostenstruktur 2009
Gesamtauswertung
Ergebnisse in Tabellen


Konjunkturumfrage 2009
  

Gehaltsumfrage 2009

Umfrage Büro-
und Kostenstruktur 2007


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Konjunkturumfrage 2005

Konjunkturumfrage 2004

 

 

 

 

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