Fragwürdiger Selbstanspruch auf Kosten kultivierter Toleranz
Die GNHD und ihre Vision für die innere Neustadt aus der Sicht von Architekten - Podiumsdiskussion am 26.2. 2010 in der Dreikönigskirche
Pressemeldung vom 01.03.2010
Schon im gereizt und anmaßend vorgetragenen Eingangsstatement des Vereinsvorsitzenden Torsten Kulke offenbarten sich tiefgreifende Widersprüche in die sich der Verein verstrickt, seit er sein Aktionsfeld über den Neumarkt hinaus ausdehnt.
Da wird einerseits der Anspruch erhoben, " das mahnende Gewissen der Stadt zu verkörpern " ,zugleich aber für die Architektur der Inneren Neustadt "eine Marke "entwickeln zu wollen. Marken und Gewissen passen erfahrungsgemäß schlecht zusammen.... .
Der damit eingeläutete Missklang zog sich dann auch durch den gesamten Abend.
So legitim die Vision ist, verlorenen gegangene historische Stadtstruktur und prägnante Leitbilder einzelner Gebäude wieder errichten zu wollen und damit Korrekturen an Bebauungen der Nachkriegszeit vorzunehmen, so polarisierend wirkt diese Vision,wenn sie dazu eines Feindbildes bedarf.
Dieses Feindbild wurde im Verlauf der Veranstaltung bis zur Peinlichkeit beschworen. Adressaten dieses Feindbildes - so unterstrich es der aus Frankfurt / Main angereiste Jürgen Aha mehrfach - sind die Architekten. Aha meinte : "Menschen von heute sollten sich nicht der Gefahr unterziehen, sich von Architekten sagen lassen zu müssen, was schön ist "und "sich nicht von Architekten etwas hinklatschen lassen".
Im Publikum regte sich dann auch deutlicher Widerspruch gegen eine einseitig auf Qualitäten vergangener Epochen ausgerichtete Zukunftsvision.
In den Fragen und Beiträgen aus dem Publikum schälte sich heraus, dass Ansprüche und Wünsche heute und hier lebender Menschen weitaus vielfältiger sind , als es die alleinige Wiedergewinnung historischer Fassaden leisten könnte.
Die daraus sich ergebende Komplexität und Vielschichtigkeit zu lösender Fragen und zu berücksichtigender Interessen ergibt das Arbeitsfeld , auf dem Architekten agieren. Eine isolierte Betrachtung allein der Fassadenwirkung gegenwärtiger Architekturbeiträge durch die Linse barocker Gestaltungsprinzipien wird der Leistung von Architektennicht gerecht.
Wenn aber die GHND zu ihrer Agitation den Blick nur durch diese Linse erlaubt, dann werden engagierte Architekten genauso diffamiert wie die Spielregeln , die sich unsere demokratische Gesellschaft für das Entstehen von Bauwerken , von Architektur, von Stadtstruktur auferlegt hat.
Die Frage, welche Ursachenzu einer ganz offensichtlichen - international zu beobachtenden - Rückbesinnung auf besonders durch Kriegszerstörung verlorene Architekturleistungen hat, welche Erwartungen moderne Architekturleistungen nicht bedient, müssen sich Architekten stellen.
In zukunftsorientierten Gesellschaften fanden die gestaltenden Kräfte ihrer Zeit jeweils eigenständige Antworten und Lösungen aus eigener Kraft. Diese Fähigkeiten können nur im konsensorientierten Diskurs gesucht werden. Dafür engagieren sich Dresdner Architekten.
Sie legen jedoch als Maßstab ihrer Arbeit die Qualitäten aller Epochen - bis zur Gegenwart- zugrunde und setzen auf die schöpferischen Fähigkeiten auch unserer und der zukünftigen Generation.
Kontakt
Architektenkammer Sachsen
Dipl.-Ing. Matthias Horst, Freier Architekt
Vorsitzender Kammergruppe Dresden
Tel. 0351/31746-0
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