Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW 2008
mit Hinweisen des Ausschusses für Wettbewerb und Vergabe

Hinweis zu § 6

zu § 6 (1) Zusammensetzung und Qualifikation:

Preisrichter sollten soweit möglich keine Kenntnis von der Identität der Teilnehmer erhalten, die Auflistung ausgewählter Teilnehmer in der Auslobung o.ä. sollte vermieden werden.
Fachpreisrichter müssen die Berufsqualifikation der Wettbewerbsteilnehmer haben.
Ein stimmberechtigter und vom Auslober unabhängiger Fachpreisrichter (in der Regel ein freier Architekt) sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • regelmäßige erfolgreiche Teilnahme an Planungswettbewerben
  • öffentliche Anerkennung der eigenen Arbeit durch Veröffentlichungen, Architekturpreise o.ä.
  • Teilnahme an vorausgegangenen Verfahren mindestens als stellvertretender Fachpreisrichter
  • besondere Kenntnisse der Verfahrensabläufe bei Wettbewerben
  • methodische und kommunikative Arbeits- und Argumentationsweise

Ein vom Auslober unabhängiger Fachpreisrichter darf nicht in einem Dienst- oder Angestellten-Verhältnis zu diesem stehen und sollte uneingeschränkt frei von den Interessen des Auslobers handeln können. Ein unabhängiger Fachpreisrichter darf im Verhinderungsfall nicht durch einen vom Auslober abhängigen Fachpreisrichter ersetzt werden, es empfiehlt sich daher die ständige Anwesenheit mindestens eines vom Auslober unabhängigen Fachpreisrichters in der Preisgerichtssitzung.
Der Preisgerichtsvorsitzende sollte eine in der Gremienarbeit erfahrene Persönlichkeit mit ausgeprägter Kommunikationsfähigkeit und sehr guten Kenntnissen bezüglich Verfahrensfragen sein.

zu § 6 (2) Arbeitsweise:

Gäste können der Preisgerichtssitzung unter Wahrung des Vertraulichkeitsprinzips beiwohnen. Unnötiger Außenkontakt durch technische Kommunikationsmittel sollte ausgeschlossen werden. Zur Vermeidung von Konflikten bei der Zulassung von Arbeiten ist das Preisgericht in die Abfassung der Auslobung einzubeziehen, idealerweise innerhalb einer Preisrichtervorbesprechung. Die endgültige Fassung der Auslobung muss den Preisrichtern rechtzeitig vor der Preisgerichtssitzung übermittelt werden, um diesen die Gelegenheit der Vorbereitung zu geben. Zu Beginn des Informationsrundgangs sollte die Aufgabe durch die Vorprüfung nochmals für alle Preisgerichtsmitglieder ausführlich dargestellt werden. Das Preisgericht soll eine eindeutige Rangfolge ermitteln, um dem Auslober klare Empfehlungen für die weitere Beauftragung geben zu können. Die gleichrangige Platzierung von Arbeiten ist zu vermeiden.

§ 6 Preisgericht

(1)    Zusammensetzung und Qualifikation

Die Mitglieder des Preisgerichts haben ihr Amt persönlich und unabhängig allein nach fachlichen Gesichtspunkten auszuüben.
Das Preisgericht darf nur aus natürlichen Personen bestehen, die von den Teilnehmern des Wettbewerbs unabhängig sind.
Bei Wettbewerben der öffentlichen Auslober setzt sich das Preisgericht in der Mehrzahl aus Preisrichtern mit der beruflichen Qualifikation der Teilnehmer (Fachpreisrichter) zusammen; hiervon ist die Mehrheit unabhängig vom Auslober. Die Zahl der Preisrichter ist ungerade.
Davon abweichend besteht bei Wettbewerben der privaten Auslober mindestens die Hälfte der Preisrichter aus Fachpreisrichtern; hiervon ist die Mehrheit unabhängig vom Auslober.
Der Auslober bestimmt die Preisrichter und Stellvertreter. Bei interdisziplinären Wettbewerben ist jede Fachrichtung vertreten. Zur Sicherstellung der Beschlussfähigkeit beruft der Auslober eine ausreichende Anzahl von Stellvertretern.
Das Preisgericht wählt seinen Vorsitzenden aus dem Kreis der unabhängigen Preisrichter mit der beruflichen Qualifikation der Teilnehmer.

(2) Arbeitsweise

Das Preisgericht tagt in der Regel nicht öffentlich. Die Fachpreisrichter müssen während der gesamten Preisgerichtssitzung anwesend sein. Bei Ausfall eines Fachpreisrichters beruft das Preisgericht für die gesamte weitere Dauer der Preisgerichtssitzung einen stellvertretenden Preisrichter an seine Stelle, der während der bisherigen Sitzung des Preisgerichts ständig anwesend war. Die übrigen Preisrichter können vorübergehend von ihren Stellvertretern ersetzt werden, wenn sie in den Meinungsbildungsprozess eingebunden bleiben.
Das Preisgericht entscheidet grundsätzlich mit einfacher Mehrheit. Für Preisrichter besteht Abstimmungszwang.
Bei Wettbewerben der privaten Auslober hat in Pattsituationen der Vertreter des Auslobers die Entscheidungskompetenz.
Die Preisrichter haben bis zum Beginn der Preisgerichtssitzung keine Kenntnisse von den eingereichten Wettbewerbsarbeiten.
Das Preisgericht lässt alle Arbeiten zu, die

  • den formalen Bedingungen der Auslobung entsprechen,
  • die bindenden Vorgaben der Auslobung erfüllen,
  • in wesentlichen Teilen dem geforderten Leistungsumfang entsprechen,
  • termingerecht eingegangen sind,
  • keinen Verstoß gegen den Grundsatz der Anonymität erkennen lassen.

Das Preisgericht bewertet die Wettbewerbsarbeiten nach den in der Auslobung bezeichneten Vorgaben des Auslobers und den dort bzw. in der Bekanntmachung genannten Entscheidungskriterien. Es wählt die Arbeiten aus, die den Anforderungen der Auslobung am besten gerecht werden. Das Preisgericht hat die für eine Preisverleihung in Betracht zu ziehenden Arbeiten in ausreichender Zahl schriftlich zu bewerten und eine Rangfolge unter ihnen festzulegen. Es soll eine Empfehlung für die zweckmäßige weitere Entwicklung und Bearbeitung der Aufgabe aussprechen. Das Preisgericht erteilt Preise und Anerkennungen auf der Grundlage der Rangfolge der Arbeiten der engeren Wahl. Der Entscheidungsprozess wird nachvollziehbar dokumentiert (Protokoll).