Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW 2008
mit Hinweisen des Ausschusses für Wettbewerb und Vergabe

Hinweise zu § 3

Offene Wettbewerbe nach § 3 (1) RPW

Der offene Wettbewerb sollte das Regelprozedere für die Vergabe von öffentlichen Planungsleistungen sein. Er gewährleistet einen Zugang für alle Architekten, fördert den Nachwuchs, ergibt die größte Bandbreite an Lösungsmöglichkeiten und ermöglicht die gerechte Findung der besten Lösung für die jeweilige Aufgabenstellung durch inhaltliche Auseinandersetzung.
Der offene Wettbewerb ist die sicherste Vergabeart für öffentliche Planungsaufträge oberhalb des Schwellenwertes. Ein auf den Wettbewerb folgendes Verhandlungsverfahren mit allen Preisträgern wird nur benötigt, wenn sich der Auslober nicht auf die Beauftragung des ersten Preisträgers festlegt.
Je mehr offene Wettbewerbe durchgeführt werden, desto geringer werden aufgrund der regionalen und inhaltlichen Interessen die durchschnittlichen Teilnehmerzahlen. Zur Reduzierung der Teilnehmerzahlen ist es sinnvoll, den offenen Wettbewerb in zwei Phasen durchzufüren. Darüber hinaus kann die Teilnahme an einem Pflichtkolloquium oder die Entrichtung einer Schutzgebühr für die Auslobungsunterlagen verlangt werden, die bei Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe zurückerstattet wird.

Nicht-offene Wettbewerbe nach § 3 (2)RPW

Bei nicht-offenen Wettbewerben sollen entsprechend den Grundsätzen der VOF § 2 (4) und der RPW § 1 (5) neben erfahrenen größeren Büros auch kleinere Büroorganisationen und Berufsanfänger angemessen an Wettbewerben beteiligt werden. Um das zu erreichen, und um ein Höchstmaß an Rechtssicherheit zu erzielen, wird empfohlen das nachfolgend skizzierte Verfahren anzuwenden:
Vereinfachtes Bewerbungsverfahren für Architektenwettbewerbe
Zugelassen werden alle Bewerber, die
1. die Berufsbezeichnung Architekt führen dürfen und Mitglied in einer Architektenkammer oder einem vergleichbaren Berufsverband (außerhalb Deutschlands) sind,
2. ein Referenzobjekt vergleichbarer Schwierigkeit nachweisen (gilt als erfüllt, wenn die Honorarzone nach HOAI dem Auftragsversprechen des Wettbewerbs entspricht
3. eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen (Versicherungssumme kann im Auftragsfall angepasst werden). Es wird empfohlen, 30 - 40 Wettbewerbsteilnehmer vorzusehen. Ist die Bewerberanzahl nach einer objektiven Auswahl entsprechend der o.g. Kriterien zu hoch, kann die Auswahl unter den verbleibenden Bewerbern durch Los getroffen werden. Setzungen sind zulässig, sofern die gesetzten Teilnehmer die Bewerbungsvoraussetzungen erfüllen, die an die anderen Bewerber gestellt werden (es sollten jedoch höchstens 25% der Teilnehmer gesetzt werden). Interdisziplinäre WettbewerbeInterdisziplinäre Wettbewerbe sind Wettbewerbe bei denen mehrere Fachdisziplinen (z. B. Gebäude, Freiraum, TGA) in einem Verfahren zusammengeschaltet werden. Derartige Verfahren sind in der RPW nicht geregelt. Sie sollen nach § 97 (3) GWB, der eine Teil- und Fachlosvergabe vorsieht, nur dann durchgeführt werden, wenn begründete Ausnahmefälle bestehen.Interdisziplinäre Wettbewerbe empfehlen sich vor allem für 2-phasige Verfahren. Vertiefende Leistungen der Fachdisziplinen können dann auf das Teilnehmerfeld beschränkt werden, das die 2. Phase erreicht hat. Eine Aussage zur Art der vorgesehenen Beauftragung und zur Zulässigkeit einer Mischung aus verschiedenen Bewerbergruppen (Berufsanfänger, größere und kleinere Büros) innerhalb einer Bewerbergemeinschaft, sowie von Mehrfachbewerbungen von Fachingenieuren sollte in den Bewerbungsbedingungen gemacht werden. Das Auswahlgremium, die Vorprüfung und das Preisgericht wird um Angehörige aller beteiligten Fachdisziplinen erweitert.
Vorbefasste Bewerber, wenn sichergestellt ist, dass alle anderen Bewerber auf den gleichen Kenntnisstand gebracht werden können wie ein vorbefasster Bewerber, ist dessen Bewerbung zuzulassen.

§ 3 Wettbewerbsarten und -verfahren

(1) Offener Wettbewerb

Auslober schreiben den Wettbewerb öffentlich aus. Interessierte Fachleute, welche die fachlichen und persönlichen Anforderungen an die Teilnahme erfüllen, können einen Lösungsvorschlag einreichen. Private Auslober können den Teilnehmerkreis einschränken (z.B. regional).

(2) Nicht offener Wettbewerb

Auslober fordern interessierte Fachleute öffentlich zur Bewerbung auf. In der Wettbewerbsbekanntmachung bzw. der Aufforderung zur Bewerbung sind die angestrebte Zahl an Teilnehmern, die vorzulegenden Nachweise, das zur Auswahl der Teilnehmer angewandte Verfahren sowie ggf. die Namen bereits ausgewählter Teilnehmer anzugeben. Die Teilnehmerzahl soll der Größe und Bedeutung der Wettbewerbsaufgabe angemessen sein. Auslober wählen die Teilnehmer anhand eindeutiger, nicht diskriminierender und in der Regel aufgabenbezogener qualitativer Kriterien aus dem Kreis der Bewerber aus. Ist die Bewerberanzahl nach einer objektiven Auswahl entsprechend diesen Kriterien zu hoch, kann die Auswahl unter den verbleibenden Bewerbern durch Los getroffen werden. Private Auslober können die Teilnehmer auch direkt oder durch Los bestimmen. Bei Nichtoffenen Wettbewerben werden die ausgewählten Teilnehmer in der Regel namentlich in der Auslobung aufgeführt.

(3) Zweiphasiges Verfahren

Offene und Nichtoffene Wettbewerbe können auch in zwei Phasen nach folgenden Maßgaben durchgeführt werden:
1. Phase:

  • die Teilnahme steht allen teilnahmeberechtigten Personen offen;
  • Beschränkung auf grundsätzliche Lösungsansätze;
  • die Teilnehmer für die 2. Phase werden nach Beurteilung der Lösungsansätze durch das Preisgericht ausgewählt.

 2. Phase:

  • die Zahl der Teilnehmer muss der Bedeutung der Wettbewerbsaufgabe angemessen sein
  • die Besetzung des Preisgerichts bleibt unverändert.

(4) Kooperatives Verfahren

Wenn eine Aufgabe oder ihre Ziele vom Auslober nicht eindeutig definiert werden können, z.B. bei städtebaulichen Aufgaben, kann er das kooperative Verfahren wählen. Besonderes Kennzeichen ist die schrittweise Annäherung an Aufgabe und Ziele in einem Meinungsaustausch zwischen den Beteiligten. Dabei müssen alle Teilnehmer auf dem gleichen Informationsstand gehalten werden. Die Anonymität nach § 1 kann ausnahmsweise, z.B. zur Präsentation von Zwischen- und Endergebnissen, aufgehoben werden. Bei Wettbewerben der öffentlichen Auslober im Anwendungsbereich der VOF ist das Kooperative Verfahren nicht anzuwenden.