Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW 2008
mit Hinweisen des Ausschusses für Wettbewerb und Vergabe

Hinweis zu § 2 RPW

zu § 2 (1) Auslober

Wettbewerbe zielen darauf, alternative Ideen und optimierte Konzepte für die Lösung von Planungsaufgaben und den geeigneten Auftragnehmer für die weitere Planung zu finden. Die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) regeln das Vergabeverfahren für öffentliche und private Auftraggeber.
Hat sich ein öffentlicher oder privater Auftraggeber (Auslober) zur Ausschreibung eines Wettbewerbes entschlossen, muss er

  • die Aufgabe definieren,
  • den Wettbewerb ausschreiben,
  • die Verfahrensart bestimmen und
  • das Preisgericht berufen.

Es wird empfohlen, den Wettbewerbsausschuss der zuständigen Architektenkammer bereits in der Konzeptphase des Wettbewerbs zu Rate zu ziehen, da bereits jetzt wichtige und häufig unumkehrbare Festlegungen zum Verfahren getroffen werden müssen.

zu § 2 (3) Preisgericht

Das Preisgericht wird durch den Auslober bestellt. Es sollte aus fachkundigen und bezogen auf die Aufgabe qualifizierten Mitgliedern zusammengesetzt sein. Die Mitglieder des Preisgerichtes haben ihr Amt persönlich und unabhängig allein nach fachlichen Gesichtspunkten auszuüben. Sie treffen ihre Entscheidungen nur aufgrund der Kriterien, die in der Bekanntmachung genannt sind.

zu § 2 (4) Weitere Beteiligte: Wettbewerbsbetreuer (Vorprüfung)

Zur Sicherung eines geregelten organisatorischen Ablaufes des Wettbewerbes und zur Vorbereitung der Preisgerichtsentscheidung (Vorprüfung der eingereichten Wettbewerbsarbeiten) setzt der Auslober sogenannte Wettbewerbsbetreuer ein. Sie haben die Qualifikation der Teilnehmer des Wettbewerbes.
1.    Aufgaben der Vorprüfung:
Sie ist objektiv und schafft nachprüfbare und gesicherte Grundlagen für die Preisgerichtsentscheidung. Sie legt Fakten dar ohne zu werten. Sie achtet insbesondere darauf, daß alle Teilnehmer gleich behandelt werden.
2.    Umfang der Vorprüfung:
Umfang und Kriterien werden in Form einer Prüfliste frühzeitig mit dem Auslober abgestimmt. Dem Preisgericht wird im Rahmen der Preisgerichtssitzung ein Vorprüfbericht vorgelegt. Dieser stellt alle Wettbewerbsarbeiten ohne Wertung vergleichend nebeneinander.
3.   Ablauf der Vorprüfung:
Die Vorprüfung beginnt mit der Kontrolle des fristgemäßen Einganges der Wettbewerbsarbeiten, Ausstellung einer Sammelliste, Anonymisierung der Arbeiten, Prüfung, ob das geforderte Programm formal und fachlich in allen Punkten erfüllt wurde, Anfertigung einer Vorprüfberichts für die Preisrichter und endet mit den Vorschlägen zur Zulassung der Wettbewerbsarbeiten.
4.    Vorbereitung der Preisgerichtssitzung:
Die Preisgerichtssitzung wird organisatorisch und inhaltlich vorbereitet (z.B. wertungsfreie und objektive Beratung des Preisgerichtes beim Informationsrundgang) und endet mit der Mithilfe bei der sofortigen Information der Preisträger.
Abschließende Arbeiten
Nach der Entscheidung des Preisgerichtes obliegt den Wettbewerbsbetreuern neben dem Versand des Protokolls an alle Teilnehmer die Organisation der öffentlichen Ausstellung der namentlich gekennzeichneten Arbeiten der einzelnen Wettbewerber, ggf. mit Preisverleihung und Pressekonferenz, Rücksendung der nicht prämierten Arbeiten, Rechnungsprüfung und Mitwirkung bei der Behandlung eventueller Verfahrensrügen.

§ 2 RPW Wettbewerbsbeteiligte

(1) Auslober

Auslober sind öffentliche oder private Auftraggeber, die zur Lösung einer Aufgabe einen Wettbewerb ausschreiben. Der Auslober definiert die Aufgabe, lobt den Wettbewerb aus, bestimmt die Verfahrensart und beruft das Preisgericht.

(2) Teilnehmer

Teilnehmer sind natürliche oder juristische Personen, die den Anforderungen an die Teilnahme genügen.

(3) Preisgericht

Das Preisgericht ist unabhängiger Berater des Auslobers. Es sollte bei der Vorbereitung und Auslobung des Wettbewerbs, z.B. im Rahmen einer Preisrichtervorbesprechung, mitwirken. Das Preisgericht entscheidet über die Wettbewerbsarbeiten.

(4) Weitere Beteiligte

Wettbewerbsbetreuer nehmen die Interessen des Auslobers wahr. Sie wirken bei der Erstellung der Auslobung, bei der Organisation und Durchführung des Verfahrens mit und übernehmen in der Regel die Vorprüfung. Sie haben die Qualifikation der Teilnehmer. Fachkundige Auslober können die Wettbewerbsbetreuung auch selbst erbringen.
Sachverständige sind anerkannte Fachleute ihres Fachgebietes. Der Auslober kann sie zur Beratung bei der Vorbereitung des Wettbewerbs, bei der Vorprüfung und im Preisgericht hinzuziehen.
Architekten- und Ingenieurkammern wirken vor, während und nach einem Wettbewerb beratend mit; sie registrieren den Wettbewerb. Mit der Registrierung wird bestätigt, dass die Auslobungsbedingungen dieser Richtlinie entsprechen.