23.06.2016

Architektur für Alle - Tag der Architektur 2016 am 25. und 26. Juni – Wohnhäuser bieten Individualität und Besonderes

Am kommenden Wochenende findet der deutschlandweite Tag der Architektur statt. In Sachsen laden in diesem Jahr bereits zum 21. Mal die Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplaner ein, interessante Objekte zu besichtigen und miteinander ins Gespräch über Baukultur zu kommen.
Das gesamte Programm zum Tag der Architektur 2016 in Sachsen mit 70 Objekten, fünf offenen Architektur- und Planungsbüros sowie 19 Veranstaltungen finden Sie unter tda.aksachsen.org

Unter dem Motto »Architektur für Alle« sind unter anderem zahlreiche Wohnbauten geöffnet. Wir haben mit einer Stadtplanerin und einem Architekten über die Besonderheiten »ihrer« Wohnhäuser und den Tag der Architektur gesprochen.

Stadtpalais »König Albert« in Chemnitz (Rudolf-Liebold-Str. 23)
Bauherr: eltrik-grund Grundstücksgesellschaft
Architekt: Dr.Kruse.Plan GbR

Im Gespräch mit: Dr.-Agr. Kersten Kruse, Freie Stadtplanerin

Das Stadtpalais entstand innerhalb eines Bebauungsplangebietes im Albert-Park in Chemnitz-Hilbersdorf. Welche besonderen stadtplanerischen Überlegungen liegen diesem Projekt zugrunde?
Grundlage bildet der vorhabenbezogene Bebauungsplan des Vorhabenträgers eltrik-grund Grundstücksgesellschaft, welcher gleichzeitig Bauherr des Stadtpalais »König Albert« ist. Damit konnte sichergestellt werden, dass erste Vorstellungen des privaten Investors zu dem zukünftigen Gebäude in die Festsetzungen des Bebauungsplans einflossen. Dazu kamen stadtplanerische Vorgaben, an dieser exponierten Stelle mit dem Gebäude den gestalterischen und baulichen Anschluss an die denkmalgeschützte, gründerzeitliche Nachbarbebauung zu realisieren. Im Ergebnis eines konstruktiven Zusammenspieles zwischen dem Bauherr, den zuständigen Fachämtern der Stadt und dem Architekten konnte ein 6-geschossiges Mehrfamilienhaus entstehen, welches den zeitgemäßen Abschluss einer gründerzeitlichen geschlossenen Bebauung bildet und damit ein städtebaulich prägendes Gestaltungselement an der Rudolf Liebold-Straße im Stadtteil Hilbersdorf darstellt.

Das Wohngebäude bildet den modernen Abschluss einer geschlossenen denkmalgeschützten Gründerzeitbebauung. Was war ausschlaggebend/Wer hatte die Idee für diese moderne Lösung? Und wie gelingt es, dass sowohl Bauherr als auch Architekt am Ende mit dem Ergebnis zufrieden sind?
Die Zusammenarbeit zwischen Bauherr und Architekt funktionierte von Anfang an ausgezeichnet, die sogenannte »Chemie« stimmte. Der Bauherr wirkte aktiv an der Planung mit, um ein nicht nur kurzfristig gut vermarktungsfähiges Wohngebäude, sondern ein zeitloses »Einzelstück« entstehen zu lassen. Die Architektur des Gebäudes entstand damit als Gemeinschaftswerk zwischen Bauherr und Architekt. Unsere Aufgabe war es u. a., die ganz konkreten Wünsche hinsichtlich Anzahl, Größe und Zuschnitte der Wohnungen in einem komplexen Gebäude wie diesem auch unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten umzusetzen. Aufgrund des Verkaufs als Eigentumswohnungen, mussten die Grundrisslösungen der Wohnungen so lange wie möglich flexibel bleiben, um Kundenwünsche unkompliziert in den strengen Bauablauf einbauen zu können.

Welche Besonderheiten sprechen für das individuelle Bauen mit einem Architekten oder Stadtplaner?
Wer mit einem Architekten baut, kann sich sicher sein, ein individuelles Gebäude zu bekommen. Wir beraten vom ersten Bauherrengespräch an, klären auf über Vor- und Nachteile und versuchen, unsere Vorstellung von Architektur und Stadtplanung den jeweiligen Bauherren zu vermitteln. Wenn wir überzeugen, kommt es zum Auftrag und es entsteht ein gemeinsames Werk in dem sich Bauherr und Architekt verwirklicht sehen. Das Stadtpalais »König Albert« ist dafür ein sehr schönes Beispiel.

Warum nehmen Sie am Tag der Architektur teil und wie ist es Ihnen gelungen, dass der Bauherr seine Wohnungen dafür öffnet?
Wir sind sehr glücklich darüber, mit der eltrik-grund Grundstücksgesellschaft einen Bauherren gefunden zu haben, bei dem wir uns als Architekten und Stadtplaner verwirklichen durften. Wir sind stolz auf das Entstandene und wissen, dass es der Bauherr auch ist. Mit der Teilnahme am Tag der Architektur möchten wir diesen Stolz auf das Erreichte mit der interessierten Öffentlichkeit teilen und gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass die städtebauliche Entwicklung der Stadt Chemnitz, auch außerhalb der unmittelbaren Stadtmitte, in Bewegung gekommen ist. Zusammen mit der Bebauung auf den benachbarten Grundstücken im Albertpark wurde eine innerstädtische Entwicklung angeschoben, die den Stadtteil Hilbersdorf nachhaltig und positiv prägt.

Holz Palais Dresden - innerstädtisches Bauen mit Holz (Erna-Berger-Str. 19 - 23)
Bauherr: Eura Grundbesitz und Bauträger GmbH
Architekt: Fischer + Meyer Architekten und Ingenieure

Im Gespräch mit: Tobias Ruhland, Freier Architekt

Das Bauvorhaben umfasst den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern mit gemeinsamer Tiefgarage in einer in Sachsen einmaligen Holzbauweise. Warum haben Sie sich für den Einsatz von Holz entschieden und was ist das Besondere an dieser Bauweise?
Am Rande der Dresdner Neustadt errichtet die Eura Grundbesitz und Bauträger GmbH vier Mehrfamilienhäuser mit gemeinsamer Tiefgarage in einer innovativen, in Sachsen einmaligen Holzbauweise. Mit den 36 Wohnungen wird auf insgesamt 3.500m² ökologisch ausgewogener und gesunder Wohnraum mitten in der Dresdner Innenstadt geschaffen. Durch die im Inneren sichtbaren Vollholzwände wird ein Stück Natur täglich erlebbar in die städtische Lebensumgebung zurückgeholt. Durch die gewählte Konstruktion werden alle Vorteile des Holzes wie Tragfähigkeit, Wärmedämmung, Temperatur- und Feuchteregulierung sowie die sinnliche Qualität der Holzoberflächen optimal eingesetzt. Die Holzkonstruktionen sind komplett leimfrei aus Mondholz ausgeführt. Neben der Gebäudestatik übernehmen die Massivholzwände auch die komplette Gebäudedämmung so dass auf zusätzliche Wärmedämmung auf den Holzwänden verzichtet werden kann.

Wohnungsbau hat aktuell deutschlandweit und insbesondere auch in Dresden einen sehr großen Stellenwert. Worauf legen Sie persönlich bei Ihren Projekten großen Wert? Wie gelingt die Umsetzung von Individualität und Qualität mit einem Architekten auch innerhalb eines begrenzten Kostenrahmens?
Hierzu wurden durch das Planungsteam um das Architekturbüro Fischer und Meyer aus Dresden innovative Details entwickelt, die den behördlichen Auflagen entsprechen und gleichzeitig der ökologischen Bauweise und der sichtbaren Struktur des Holzbaues Rechnung tragen. Dank einer genauen Vorplanung und der intensiven Zusammenarbeit mit allen beteiligten Planern und den Firmen vor Ort wird das im Bereich des Mietwohnungsbaus einmalige Projekt im Rahmen des angesetzten Budgets und innerhalb der geplanten Bauzeit von 18 Monaten realisiert. Um die vereinbarten Qualität vom Anfang bis zum Ende zu gewährleisten, müssen im Vorfeld sowohl von den Bauherren als auch vom Architekten bestimmte Rahmenparameter definiert werden, die mindestens erreicht werden sollen. Im Laufe des Planungs- und des Ausführungsprozesses müssen diese immer wieder kritisch hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden. Durch die freie Vermietung eines gesamten Hauses im Holz Palais Dresden wird das ökologische Grundkonzept und damit das gesunde Wohnumfeld verschiedensten Nutzern zugänglich gemacht.

Welche Erfahrungen haben Sie, wie eine gute Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr gelingt?
Bei der Entwicklung eines solchen Projektes ist es entscheidend, schon frühzeitig die Projektziele mit den Rahmenbedingungen am Bau abzugleichen und ein realisierbares Konzept zu entwickeln, das bis zur Ausführung Bestand hat. Entscheidend dabei ist der Dialog miteinander, um gemeinsam die angestrebten Projektziele immer wieder konstruktiv zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Um das angestrebte Ziel einer ökologischen Bauweise für einen breiten Nutzerkreis zu erreichen, müssen alle Beteiligten vom Planer über die Ausführenden bis hin zum Bauherren bereit sein, in bestimmten Bereichen Neuland zu betreten.

Was bekommt der Besucher zum Tag der Architektur bei Ihnen zu sehen und womit werden Sie besonders werben? Wofür möchten Sie den Tag nutzen?
Zum Tag der Architektur besteht am Sonnabend den 25. Juni 2016 die einmalige Gelegenheit, die Bauweise aus Massivholzelementen in seinem Entwicklungsprozess zu erleben und auch einmal hinter die Fassade zu schauen! Dazu werden in der Zeit von 14-17 Uhr halbstündlich Führungen durch die Gebäude angeboten. Erstmalig kann neben den Wohnungen im Ausbau ein weitestgehend fertig gestelltes Penthouse besichtigt werden. Der Tag der Architektur bietet uns die Gelegenheit, das Büro mit diesem außergewöhnlichen Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren und den Aufgabenbereich und Stellenwert als Planer zu vermitteln. Ziel ist es zu zeigen, dass eine ökologische Bauweise nicht auf einen kleinen Bauherrenkreis beschränkt sein muss, sondern dass mit geringem Mehraufwand und einem kompetenten Planungsteam, gesunder Wohnraum für eine Vielzahl von Nutzern geschaffen werden kann. Um die Vorteile der Holzbauweise etwas länger zu testen und so gesundes Wohnen z. B. mit einer Sightseeing Tour in Dresden zu verbinden, kann eines der hochwertig ausgestatteten Penthäuser, nach der Fertigstellung, als Ferienwohnung angemietet werden!

Weitere Informationen und Besucherprogramm: tda.aksachsen.org

Das Programm und Bildmaterial zur honorarfreien Veröffentlichung zum Tag der Architektur können Medienvertreter unter
http://tda2016.aksachsen.org/listen.html?list=2 herunterladen.

Architektenkammer Sachsen
Marén Schober M. A.
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Haus der Architekten
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