Archiv und Nachlässe

Das Archiv der Stiftung Sächsischer Architekten als kollektives Gedächtnis der Kammermitglieder - Interview mit Alf Furkert, Präsident der Architektenkammer Sachsen und Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Sächsischer Architekten


Die Stiftung Sächsischer Architekten wurde 2011 von der Architektenkammer Sachsen gegründet. Mit Sitz in Dresden verfolgt sie den Zweck der Förderung der Baukultur im Freistaat Sachsen sowie der Allgemeinbildung auf den Gebieten der Architektur und Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur sowie Kunst. Zur Bewahrung von Leistungen und Zeugnissen aus allen Bereichen wurde ein Archiv ins Leben gerufen.

Herr Furkert, die Architektenkammer hat gemeinsam mit anderen Institutionen zum Ehrenkolloquium in memoriam Wolfgang Hänsch am 5. Februar 2014 eingeladen und dem Gedenken an das Lebenswerk des Dresdner Architekten (1929-2013) einen würdigen Rahmen gegeben. Sie haben dort offiziell den Nachlass dieses wichtigen Vertreters der Nachkriegsmoderne in Dresden in das Archiv der Stiftung aufgenommen. Können Sie etwas über das Archiv erzählen?
Wir haben das Archiv gegründet, weil uns der dringende Bedarf bewusst geworden ist, die Lebensleistungen insbesondere aus dem Mitgliederkreis der Architektenkammer Sachsen und natürlich auch allen anderen auf dem Gebiet der Baukultur Tätigen zu bewahren. Insbesondere für die Nachlässe bedeutender Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten sowie von Innenarchitekten gab es bisher keinen Ort, wo deren Œuvres zusammen geführt und zugänglich sind. Es ist für uns eine Ehre, den Nachlass von Wolfgang Hänsch am Ort seines eindrucksvollen Schaffens und damit wichtige Zeugnisse von Baukultur bewahren zu dürfen.

Gibt es andere Arbeiten, die bereits in das Stiftungsarchiv aufgenommen worden sind?
Derzeit gibt es noch zwei Nachlässe. Weitere wurden angeboten und sollen in Kürze übernommen werden. Überdies konnte das Sächsische Archiv für Architektur und Ingenieurbau (SAI) in das Stiftungsarchiv überführt werden. Dieser kulturgeschichtlich wertvolle Bestand bildet eine eigenständige Sammlung aus Dokumenten und Planungsunterlagen zur Städtebau- und Architekturgeschichte in Sachsen zwischen 1945 und 1989. Das SAI wurde auf Initiative von Frau Prof. Dr.-Ing. Gisela Raap im Sommer 2001 gegründet und von ihr zusammen mit Herrn Prof. Dr.-Ing. Valentin Hammerschmidt mit Leidenschaft zu einer beachtlichen Sammlung ausgebaut. Gern erinnern wir an die von ihnen kuratierten Ausstellungen im Haus der Architekten und in der JohannStadthalle. Große Beachtung fand auch die von ihnen herausgegebene Schriftenreihe »Zeitzeugnisse«, u.a. mit Heften zum 90. Geburtstag von Herrn Prof. Dr.-Ing. h.c. Leopold Wiel und den markanten Punkthochhäusern in Dresden und Umgebung.

Was und wie wird in das Archiv aufgenommen?
Zunächst geht es darum, geschichtlich interessante Unterlagen zu inventarisieren und zu publizieren. Einen Sammlungsschwerpunkt bilden die Planungs- und Bauunterlagen von Gebäuden, Ensembles, Anlagen, Werken der Garten- bzw. Landschaftsgestaltung oder von Kunstwerken nach 1900 bis zur Gegenwart, die wegen ihrer künstlerischen oder historischen Bedeutung für die Nachwelt erhalten, dokumentiert und für wissenschaftliche Aufarbeitungen zur Verfügung gestellt werden sollen. Viele unserer Gebäude sind aus dieser Epoche hervorgegangen. Auch persönliche Sammlungen von Hochschullehrern, Denkmalpflegern oder anderen Personen werden übernommen, wenn diese die Sammlungsschwerpunkte des Archivs ergänzen. Gern übernimmt das Stiftungsarchiv auch Vorlässe, dies vor allem weil die Geber in die wissenschaftliche Aufarbeitung der Unterlagen einbezogen werden können.

Wo werden die Arbeiten aufbewahrt?
Das Archiv befindet sich im Haus der Architekten und in einer Immobilie des Versorgungswerkes.

Wie finanziert die Stiftung diese wichtige Arbeit?
Natürlich entstehen Kosten für die Unterhaltung des Archivs und die Finanzierung der Ausstellungen und Publikationen. Die Stiftung erfüllt ihre Aufgaben aus den Erträgen des Stiftungsvermögens und aus Zuwendungen, die nicht ausdrücklich zur Stärkung des Stiftungsvermögens bestimmt sind. Als kulturelle Einrichtung kann sich das Stiftungsarchiv finanziell nicht selbst tragen und ist auf das Einwerben von Spenden und Drittmitteln angewiesen.

Was ist langfristig geplant? Gibt es eine Vision, ein Ziel?
Momentan werden die Bestände inventarisiert und erschlossen. Langfristig steht das Archiv der Stiftung Sächsischer Architekten als kollektives Gedächtnis der Kammermitglieder natürlich auch deren Digitalisierung an. Dann wird es u.a. darum gehen, wie die Daten am besten für zukünftige Generationen bewahrt werden können. Neben diesen ständigen Aufgaben werden die Bestände auf der Grundlage eines planungsgeschichtlich fokussierten Konzepts auch erforscht und veröffentlicht. Mit begleitenden Aktivitäten – vor allem einer eigenen Schriftenreihe und Ausstellungen – soll das Archiv der Stiftung Sächsischer Architekten künftig wichtige Aspekte zur Baugeschichtsforschung beitragen. Adressaten dieser Öffentlichkeitsarbeit sind neben der interessierten Bevölkerung vor allem Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten sowie Innenarchitekten. Zudem kann das Archiv mit seinen Beständen auch zu aktuellen Fragen der Stadtentwicklung und des Denkmalschutzes oder künstlerische Konzepte konsultiert werden. Die dafür dringend notwendigen Kooperationen mit anderen Archiven und Sammlungen befinden sich derzeit im Aufbau. Letztlich ist das Stiftungsarchiv das Gedächtnis der Kammermitglieder.

Die Fragen stellte Ruairí O’Brien, Vorstand, Vorsitzender Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit

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