Die Eroberung der BRD mit dem Zeichenstift
Präsentation von Professor Manfred Wagner

Architekturlehrer und Zeichner, geb. 1934

Ausstellung vom 11. September bis 8. Oktober 2014

Manfred Wagner, Architekturlehrer und Zeichner, geb. 1934 zeigt Skizzenblätter von Wanderungen durch Westdeutschland, von Mittenwald bis Itzehoe, aus den Jahren 1990 bis 2011. Und er beschreibt wie folgt: 

Portrait Wagner

Meine Schulzeit verbrachte ich in den Jahren um 1950 in Westsachsen. Es gab damals bereits zwei deutsche Staaten. Zu meinem Glück wurde der Erdkundeunterricht noch gesamtdeutsch erteilt. In Umrisskarten Deutschlands hatten wir die wichtigsten Flüsse eingezeichnet, sodann die Gebirge und höchsten Berge und schließlich die Landschaften und größten Städte. Bei dieser Gelegenheit schmiedete ich Reisepläne für die kommenden Jahre.
Von Rochlitz aus wollte ich diagonal durch Deutschland zum Bodensee laufen, sodann »Rund um den Harz« sowie den Mittelrhein aufwärts zu den Kaiserdomen. Doch vorerst wurde daraus nichts; es mangelte an Westgeld. Und mit meinem Fahrrad, Baujahr 1908, kam ich nicht weit. 1956, nach dem ungarischen Aufstand, wurden Westreisen für Studenten verboten. Und am 13. August 1961 sank die Hoffnung auf Null. 29 Jahre mussten wir mit der Mauer leben und hinter ihr staute sich Neugier, Sehnsucht, Frust und Zorn, ein ungeheurer Dampfdruck der 1989 ziemlich unerwartet explodierte und die Mauer zum Einsturz brachte.

Eine gewaltige Woge schwappte über die Zonengrenze, vornweg die Trabanten und Wartburgs. Wir als Fußgänger folgten ihr. Dabei von Besuch und Besichtigung zu sprechen wäre völlig unangemessen; es ging um die Eroberung der westlichen Welt, in unserem speziellen Fall um die Eroberung der westlichen Hälfte unseres Vaterlandes, seiner Kultur, seiner Schönheit. Wir beraubten niemanden, aber wir eigneten uns alle bemerkenswerten Schätze an, notierten sie mit einem Rotring Rapidographen in unseren Skizzenbüchern und trugen sie so nach Hause.

Über den Zeichner

Manfred Wagner zeichnet seit über 50 Jahren Architektur. Geboren 1934 in Zettlitz bei Rochlitz, verlebte er seine Kinderjahre im Muldental, das geprägt wird von einer tausendjährigen Geschichte, von vielfältiger Landschaft, alten Städten, Burgen und Schlössern, technischen Denkmalen und einem besonderen Werkstein, dem roten Porphyrtuff des Rochlitzer Berges. In den fünfziger Jahren studierte er an der Technischen Hochschule in Dresden Architektur und erhielt Unterricht im Zeichnen und Malen bei Heinz Röcke und Professor Georg Nerlich. Nach dem Studium war er als Assistent an der TU Dresden tätig, anfangs im Freihandzeichnen, später in der Entwurfslehre und in der Denkmalpflege. Von 1992 bis 1999 hatte er an der TU Dresden die Professur für »Grundlagen des Entwerfens« inne.

Zahlreiche Reisen führten ihn durch Sachsen und Böhmen und nach 1990 vor allem nach Italien und Westdeutschland. Dabei entstand eine große Zahl von Architekturzeichnungen. Die Zeichnung dient ihm in erster Linie dazu, ein Bauwerk intensiv und systematisch zu betrachten, zu erleben. Darüber hinaus fanden die Blätter ihren Niederschlag in mehreren Veröffentlichungen: in einer Sammelmappe »Dresden und Umgebung« (1988), in einem Bildband »Pirna und Umgebung«, 1993 herausgegeben vom Kuratorium Altstadt Pirna, im Rahmen von Denkmallisten sächsischer Kreise, die von 1982 bis 1992 in den »Sächsischen Heimatblättern« veröffentlicht wurden, sowie seit 1998 in Kalendern des KDI Euroverlag e.K.