Winterschau 2016
»Zwei Handschriften, verwickelt«

Ausstellung AKS Fritsche Das Zerdenken 160211 Foto Till Schuster 20x30-Det


Ausstellung vom 8. Februar bis 23. März 2016

Brunch am Samstag, 5. März ab 10:00 Uhr

Gespräch zur Ausstellung „Winterschau“ 

Finissage am Montag, 21. März, 18:00 Uhr
Gespräch mit Dipl.-Ing. Rolf Toyka, Berater für Architekturkommunikation, ehemaliger Geschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) und Leiter der Akademie der AKH zu den Arbeitsmöglichkeiten von Akademien


Es stimmt nicht, dass ArchitektInnen zeichnen können müssen. Zeichnen müssen sie, schon wegen der HOAI. Dort wird unter § 15 die »stufenweise Erarbeitung einer zeichnerischen Lösung« gefordert. Zeichnen können brauchte man schon vor der Einführung des rechnerunterstützten Konstruierens vor einer Generation nicht: Sonst wären die besten Zeichner auch die besten Architekten geworden. Damit müssten wir solche erklärten Nichtselbstzeichner wie Walter Gropius aus der Architekturgeschichte aussortieren. 

Das Steigern der Wirtschaftlichkeit beim Planen durch Rechnerunterstützung verstellt uns die zwei Vorteile des Zeichnen-Könnens per eigener Hand: Die Aura der Handschrift (die schwer kopierbare Echtheit), sowie den Spaß beim Zeichnen, der Reiz des Vorläufigen der ersten Skizze, der »metaphysische Überschuss« (Heinz Bude).

Die Aura der Handschrift, die künstlerische Autorität beim Planen, dürfte beim Übergang vom 2D-Zeichnungen zu cloud-basierten 3D-Modellen wichtiger werden, frei nach Andre Wilkens: »Analog ist das neue Bio«. Verhält es sich mit der berufsbezogene Freude, den sich Büroinhaber und Angestellte oft vor und nach und nicht während der Arbeit für ängstliche Discount-Charaktere zu erzeugen haben, ebenso? Was hätte ALLES werden können? Dürfen wir noch ANGSTFREI probieren?

Die Dresdner Architekten Ruairí O’Brien und Niels-Christian Fritsche treffen sich zur Premiere des neuen Ausstellungsformates »Winterschau« in der Architektenkammer Sachsen bei den berufspolitischen Sorgen um das Berufsbild (»Kann etwas Metaphysisches übrig bleiben, wenn alles berechenbar werden soll?«) und im individuellen Suchen nach dem Frieden am Ende eines langen Tages, frei nach dem Motto von Max Geyer: »Wenn Sie erst einmal zeichnen können, kann Ihnen nichts mehr passieren.«

Niels-Christian Fritsche, Ruairí O’Brien