SCHUL-KON-AUSSTELLUNG 2016

Anlässlich der interdisziplinären Schulbaukonferenz Sachsen 2016 für Entscheidungsträger und Fachplaner wie auch für Pädagogen, Erzieher und Lehrer wird die erste Schul-KON-Ausstellung ins Leben gerufen.

Was ist Schule? Und was macht sie aus uns allen? Reicht ein Raumprogramm aus, um eine Schule zu planen oder braucht es dazu mehr? Häufig wird angeführt, dass Schule heute Kreativität und Individualität abschaffe und Anpassung fördere, dass sie vor allem quantifizierbaren, leistungsorientierten Output honoriere und keine geistige Entwicklung mehr fördere. Unterstützen unsere Architektur und der zum Schulbau hinführende Entscheidungsprozess diese Phänomene? Oder ist gerade das eines der wichtigsten Themen heutiger Architektur: der Technokratisierung und Optimierung unserer Lehrprogramme und Lehrkonzepte einen Gegendenkraum für die Lehre und die Lehrenden zu ermöglichen?

Fragen wie diese stellen sich notwendigerweise, will man eine Schule planen. Selbst die erste Frage ist weniger einfach zu beantworten, als es scheint.
Mit der Schul-KON-Ausstellung möchten wir die Besucher der Konferenz zum Dialog animieren. Die kompakte Schau soll zwischen den Fachvorträgen und Workshops Impulse, Denkanstöße und vielfältige Gesprächsstoffe anbieten, so dass Teilnehmer und Gäste in konstruktiven Gesprächen reflektieren können, wie Schule und Schulbau neu gedacht werden könnten.

Neben den zweifellos schönen und wichtigen Schulbauten, den Bildungsneubauten und den Sanierungsbeispielen, die unsere Ausstellung zeigt, ist auch das Feld der außerschulischen Lernorte in unserer modernen pädagogischen Landschaft von wachsender Bedeutung.
Die sächsische Landesregierung, die Städte und Gemeinden stehen vor immensen bildungspolitischen Aufgaben. Neben Lehrermangel und in die Jahre gekommenen Bildungskonzepten gehören vor allem fehlende und baulich mangelhafte Schul-gebäude zu den vordringlichen Problemfeldern. In einer solchen Situation ist klar, dass Schulen kaum alles für die ganzheitliche Bildung ihrer Schülerinnen und Schüler Notwendige unter einem Dach vereinen können. Schon das Betreiben einer eigenen gut sortierten Bibliothek kann scheitern. Umso größer ist die Bedeutung außerschulischer Lernorte, die unsere Zivilgesellschaft bereithält – hier liegen breitgefächerte Ergänzungsmöglichkeiten für praxis- und erlebnisorientiertes Lernen, die über sporadische Ausflüge hinaus ausgebaut werden könnten.
Stellen Sie sich vor: Sachkundeunterricht beim Gemüsehändler, Mentoring beim Steuerberater, Kunststunde in den Werkstätten der Semperoper, Sportunterricht in der Red Bull Arena Leipzig oder bei Dynamo Dresden, Spurensuche im Erich Kästner Viertel der Dresdner Neustadt. Schule muss nicht immer im Klassenzimmer stattfinden. In einer modernen pluralistischen Gesellschaft wird das Teilen von Ressourcen immer selbstverständlicher. Im öffentlichen Raum, in Parks, im Zoo, in Kunstgalerien, im Verkehrswesen ist das Prinzip von Sharing Economy längst Alltag. Diesen Weg sinnvoller Vernetzung könnte auch die Bildungspolitik, sollten auch die Architekten mitgehen. Denn Architektur ist letztendlich nicht nur gebaute Substanz, sie ist auch der Raum dazwischen.

Im Rahmen der SCHUL-KON haben wir Kolleginnen und Kollegen dazu eingeladen, Fotos von selbst entworfenen oder sanierten Schulbauten und anderen Bildungseinrichtungen wie Kitas oder Hochschulen einzureichen, von Ausstellungen, Museen, Gedenkstätten, Bibliotheken, Theatern und anderen „Fliegenden Klassenzimmern“, in denen außerschulisches Lernen als Teil des Lehrprogramms stattfindet. Auch persönliche Eindrücke aus dem eigenen Schulleben waren willkommen. Es war uns wichtig, auf diese Weise einen Beitrag zu der gebotenen nachhaltigen Vernetzung zwischen großen, mittleren und kleinen Berufseinheiten, zwischen Fachwelt und Bürgergesellschaft zu leisten.

Wir danken allen Ausstellungsteilnehmerinnen und -teilnehmern, dass sie sich auf so vielfältige Weise in das große und wichtige Themenfeld „Schulbau“ eingebracht haben. Ebenso danken wir den Sponsoren und Partnern, die die Umsetzung der Ausstellung großzügig ermöglicht haben.

Ruairí O’Brien
Vorstand Architektenkammer Sachsen