Gerhard Guder

Der Architekt, Bauingenieur und Stadtplaner Gerhard Guder (1927-2013) war in den 1950er und 1960er Jahren maßgeblich am Wiederaufbau der 1945 so stark zerstörten Stadt Dresden beteiligt. Dabei handelte es sich sowohl um Rekonstruktionsmaßnahmen als auch um Neubauvorhaben im historischen Bestand. 1952 war er am Wiederaufbau und Umnutzung der Reithalle am Zwingerteich zu einer Theaterwerkstatt beteiligt. 1955-57 verantwortete er zusammen mit Johannes Rascher und Gerhard Müller die inzwischen denkmalgeschützten Wohn- und Geschäftshäuser an der Westseite des Dresdner Altmarktes, die exemplarisch für eine eigene Stilepoche nach 1945, den „Nationalen Bautraditionen“ stehen und eine überaus hohe bauliche Qualität aufweisen. 1956/57 zeichnete er federführend für die Rekonstruktion des „Italienischen Dörfchens“ am Dresdner Theaterplatz und den Wiederaufbau der „Villa Stockhausen“ (Lingnerschloss) als „Klub der Intelligenz“ verantwortlich. Was heute als selbstverständlich erscheint, war in den 1950er Jahren mit großen Kraftanstrengungen verbunden, da die Baupolitik der DDR auf einen grundlegenden Neuaufbau der Städte drängte und in Dresden zu zahlreichen Abrissen wertvoller, wiederaufbaufähiger Bausubstanz führte. 1960-71 erfolgte nach seinen Entwürfen die um- und Neubauten des Forschungsinstitut von Manfred von Ardenne auf dem Weißen Hirsch in Dresden. Gerhard Guder gehörte zu jenen Architekten der DDR, die mit Renitenz und Eigensinn für ein überaus qualitätvolles Bauen eintraten, das auf einer intensiven Auseinandersetzung mit herausragenden historischen Architekturen und zeitgenössischen Architekturströmungen beruhte. Gerhard Guder wirkte aber auch außerhalb Sachsens. 1959 wurde er zum Chefarchitekten des VEB Cottbusprojekt berufen und leitete den Wiederaufbau des Stadtzentrums von Cottbus in Stil der Nachkriegsmoderne. 1976 wirkte er bei der Einordnung von Ergänzungsbauten der Berliner Charité mit, dem damals modernsten Klinikneubau Europas. 1980 wurde er als Nachfolger von Leopold Wiel an die TU Dresden als Professor für Professor für Wohnbauten berufen. Nach 1989 war Gerhard Guder als freiberuflicher Architekt tätig und konnte zahlreiche kleinere Bauvorhaben realisieren.

Im Juni 2015 gelangte sein Nachlass in das Archiv der Stiftung Sächsischer Architekten. Er umfasst etwa 400 Architekturzeichnungen, Pläne und Reiseskizzen, Fotografien und Diasammlung mit ungefähr 1.000 Einheiten und ca. 2 laufende Meter Schriftgut.