Manfred Zumpe

Der 1930 geborene Architekt Manfred Zumpe stammt aus einer in Dresden alteingesessenen Baumeisterfamilie. Er studierte an der TH Dresden Architektur, unter anderem bei Karl Wilhelm Ochs. Nach dem Studium wurde er Assistent bei Professor Wolfgang Rauda, anschließend bei Professor Rolf Göpfert. In Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Hans Peter Schmiedel nahm er unter anderem an internationalen architekturwettbewerben teil, so für die Kölner Domumbauung und für den Platz der Nationen in Genf. In seiner Heimatstadt Dresden beschäftigte er sich angesichts der bevorstehenden Monotonie durch die industrielle Fertigung gleicher Typenbauten mit der Entwicklung neuer Wohnformen auf der Grundlage vorgefertigter Teile, ein Thema das er auch für seine Promotion wählte. Nach seinem Wechsel nach Berlin im Jahr 1963 zeichnete er dort für mehrere vielbeachtete Wohnungsbauvorhaben verantwortlich, wie die Scheibenhochhäuser an der Fischerinsel (1967-1970)und an der Holzmarktstraße (1968). Parallel dazu habilitierte sich Zumpe 1967 über die „Entwicklungsprobleme großstädtischer Wohnformen in der modernen Architektur“.

1972 kehrte Manfred Zumpe in das Bauunternehmen seines Vaters zurück, dem er auch nach der Enteignung durch die DDR weiter im Verbund der Wohnungsbaukombinate vorstand. Unter diesem Dach errichtete er mehrere Prototypen des industriellen Monolithbaus, wie das inzwischen denkmalgeschützte Zwölfeckhaus in Ottendorf-Okrilla. Sie sind eindrucksvolle Großformen im Stil der Nachkriegsmoderne mit überaus überzeugenden Grundrisslösungen. Unter dem Eindruck des Europäischen Denkmalschutzjahres 1975 und der damit verbundenen Neubewertung des kulturellen Erbes gelang ihm in Dresden am Martin-Luther-Platz und auch der Münzgasse in unmittelbarer Nachbarschaft industriell errichtete Wohnbauten zu errichten, die sich städtebaulich am historischen Stadtgrundriss orientierten. Ein ihm besonders wertvolles Projekt war jedoch nicht im Bereich des Wohnungsbaus, sondern die Rekonstruktion des Schloss Eckberg in Dresden als Hotel in den 1980er Jahren.

Manfred Zumpe wird jedoch nicht nur für seine kreativen und konstruktiv innovativen Wohnungsbauentwürfe im starren System der DDR in Erinnerung bleiben, sondern als Hochschullehrer, profunder Kenner der Geschichte der Brühlschen Terrasse – seiner Niederschrift wurde zum Standartwerk – und Musikliebhaber.

Mit dem Vorlass von Manfred Zumpe übernahm das Archiv der Stiftung Sächsischer Architekten etwa 600 Architekturzeichnungen und Pläne, mehr als 1000 Fotografien bzw. Dias und etwa 5 laufende Meter Schriftgut.