Prof. Dr. Ing. Gisela Raap

Festveranstaltung im Haus der Architekten in Dresden am 23.November 2016 zu Ehren von Prof. Dr. h.c. Leopold Wiel aus Anlass seines 100. Geburtstages am 14. Mai 2016

Nachdem Freunde, Kollegen und Weggefährten dem Dresdner Hochschullehrer und Architekten Leopold Wiel bereits im Mai zu seinem 100. Geburtstag gratulieren und mit ihm in seinem schönen Garten feiern konnten, ist nun das Erscheinen des Werkes „Das Buch zum Weil“ erneut Anlass, dass die Architektenkammer und die Stiftung Sächsischer Architekten als Herausgeber des Buches die Lebensleistung des Jubilars in einer Festveranstaltung würdigen.

Leopold Wiel, der 1951 aus Weimar nach Dresden kam, war für Generationen von Architekturstudenten der TH und TU Dresden Vorbild dafür, dass es für jeden Architekten neben seinen baukünstlerischen Ambitionen des so enorm wichtigen konstruktiven Denkens bedarf. Er erkannte frühzeitig, wie drängend es zur Überwindung der Schäden des 2. Weltkrieges neuer Methoden und Verfahren bedurfte, um die anstehenden Aufgaben zu lösen. Weitblickend sah er die Lösung in einer konsequenten Industrialisierung und Normung im Bauwesen. Das diese Entwicklung stets mit einer großen Variabilität gepaart sein müsse, um architektonische Vielfalt zu ermöglichen und Monotonie zu vermeiden, war für Leopold Wiel Selbstverständlichkeit. Aus diesem Anspruch ergaben sich in seinem langen Berufsleben auch vielfältige Konflikte mit einer starren, ideologisch geprägten Baupolitik. Die Fülle seiner Entwürfe und Ideenvorschläge belegen, wie konsequent und beharrlich Wiel seine Ziele verfolgte.

Ein wichtiges Element, um seine Ansichten in die Ausbildung der Architekturstudenten einzubinden, war die Herausgabe des Lehrbuches „Baukonstruktionen des Wohnungsbaus“ , das über fast 40 Jahre in seinen ständig überarbeiteten und erweiterten Ausgaben Bestandteil des Arbeitsalltags der Studierenden und der tätigen Architekten geworden ist und immer noch zu Rate gezogen wird.

In ihren Festreden würdigten sowohl der Präsident der AKS und Vorsitzende des Stiftungsvorstandes Alf Furkert wie auch der Vorsitzende des Stiftungsrates Martin zur Nedden die Leistungen Wiels und seinen Beitrag zur Entwicklung von Baukultur in unserem Land. Sie erinnerten an die ersten schwierigen Nachkriegsbauten in Weimar und Thüringen, die Entwicklung seiner Experimentalbauten in industrieller Bauweise in Berlin-Karlshorst, seine wichtigen Beiträge zum Wiederaufbau Dresdens, die schwierigen ideologischen Auseinandersetzungen um moderne städtebauliche Lösungen bei der Realisierung des Dresdner Kulturpalastes, seine Forschungen zur Weiterentwicklung des industriellen Wohnungsbaus und vor allem an seine denkmalpflegerischen Ambitionen, neben dem Neuen das überkommende Erbe zu erhalten. Dabei wurden stellvertretend für viele seiner Bemühungen der Wiederaufbau des Weimarer Marktes, des Taschenbergpalais in Dresden und seine Beratungen für den Wiederaufbau der Semperoper gewürdigt.

Besonders bewegend waren die Worte von Manfred Zumpe, dem es Bedürfnis war, über die Persönlichkeit Leopold Wiels als Freund und Förderer zu sprechen - Worte, denen sich besonders seine ehemaligen Mitarbeiter und Arbeitspartner anschließen können, die ihn stets als aufrechten, integren und konsequent seine Meinung Vertretenden schätzen gelernt haben.

Über ihre Arbeit mit Leopold Wiel am vorgelegten Buch sprach danach die Kuratorin der Stiftung Sächsischer Architekten Susann Buttolo. Sie verfasste nach Studium des umfangreichen Privatarchivs von Leopold Wiel die Texte, hatte dazu in ihm einen hervorragenden Gesprächspartner und konnte aus reichhaltigem Bildmaterial auswählen. Ihre Lesung wichtiger Passagen des Buches macht Lust auf ein intensives Studium seines Inhaltes. Der Stiftung Sächsischer Architekten und der AKS sei hiermit gedankt für die großzügige Förderung dieses Werkes.

Die Veranstaltung mit ihrem anschließenden Empfang fand genau wie der Geburtstag am 14. Mai bei strahlendem Sonnenschein statt. Das lässt uns hoffen auf den Mai 2017, um wie eh und je wieder einen Geburtstag unter den blühenden Rhododendronbüschen im Wielschen Hausgarten feiern zu können. Dazu sei dem Jubilar bestes Wohlergehen gewünscht.

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