Architektur Dialoge Leipzig #2

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Ausstellung vom 3. März bis 5. April 2017 im Haus der Architekten


»Architektur Dialoge Leipzig« stellt junge Architekturpositionen aus Deutschland und Japan gegenüber. Der Fokus dieser Reihe liegt nicht auf etablierten Büros sondern auf Nachwuchsarchitekten. Die Bildwelten von Architektur sind dabei der Ausgangspunkt; wir wollen jedoch auch hinter die Kulissen der Architekturproduktion schauen und dabei die kulturellen Hintergründe ausleuchten.
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Die Ausstellungsserie Nr. 2 beschäftigt sich mit »räumlichen Referenzen«. Dabei greifen die beiden Konzepte trotz gleicher zur Verfügung gestellter Materialien ganz unterschiedliche Themen auf: Die Architekten aus Osaka beziehen sich auf ein Gemälde des 17. Jahrhunderts, in welchem eine bestimmte Atmosphäre dargestellt wird. Der Leipziger Architekt Bernhard Tatter rekonstruiert im verkleinerten Maßstab eine abgebrannte »Raumerweiterungshalle« eines seriellen Leichtbaus aus DDR Zeiten.

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Das Büro »denkenbauenwohnen« wurde im Jahr 2002 von Bernhard Tatter gegründet. Das Büro befindet sich im letzten teilsanierten Haus in der Kreuzstraße im Leipziger Zentrum-Ost. Seit 2008 leitet Bernhard Tatter das Büro mit sehr unterschiedlichen Projekten von Ausstellungsarchitektur, Neubauvorhaben bis zur energetischen Sanierung denkmalgeschützter Häuser. Die ersten Projekte im Kunstkontext waren Umbauten von Galerieräumen auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei. Darüber hinaus gab es auch selbst initiierte Ausstellungsprojekte wie z.B. die »Raumerweiterungshalle«.

Im Jahr 2002 initiierte Tatter die »ALL archleague Leipzig«, die seit 2005 ein gemeinnütziger Verein ist. Der Verein widmet sich wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Fragestellungen und fördert eine interdisziplinäre Auseinandersetzung in der Stadtforschung. Darüber hinaus haben zwei selbst initiierte Projekte stattgefunden. Die »Raumerweiterungshalle« (2005) ist ein wiederbelebtes temporäres Gebäude aus DDR-Zeiten. Die mobile und multifunktionale Architektur wurde temporär an verschiedenen Orte in Leipzig als Ausstellungs-, Veranstaltungs- oder Kinoraum eingesetzt. Die Veranstaltungsreihe »Zukunft der Brühlbebauung« (2002-2007) war eine Protestaktion zum geplanten Verkauf und Abriss der Leipziger Brühlbebauung.

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Das Büro in Osaka wurde von Toshikatsu Ienari und Takeshi Shakushiro im Jahr 2004 gegründet. dot architects ist kein klassisches Architekturbüro. Sie bewegen sich an den Übergängen zu Kunst und Handwerk. Die Architekten Ienari und Shakushiro entwerfen und bauen selbst mit zwei Mitarbeitern.
Stadtentwicklung für ein Schrumpfendes Gewerbegebiet.

Das Büro befindet sich im Norden Osakas in einem Gewerbegebiet. Die Bürogemeinschaft teilen sie sich mit Handwerkern, einem Grafiker und Möbelbauern auf einer Fläche von ca. 300 qm. Hier können sie Testobjekte und großmaßstäbliche Modelle entwickeln und Veranstaltungen durchführen. Der Stadtteil »Kitakagaya« wurde ursprünglich durch eine große Werft geprägt, welcher aber nach dem Niedergang der Werft einen Schrumpfungsprozess erlebt. Der Haupteigentümer eines Großteils der Grundstücke, die Immobilienfirma Chishima, versucht, den Stadtteil mit Kunst und Kultur wiederbeleben zu lassen. dot architects unterstützt die Firma Chishima bei der Stadtentwicklung. So gibt es einen kleinteiligen Block mit ehemaligen Karaoke-Kneipen, den die Werftarbeiter immer gern besucht haben. Derzeit stehen zehn kleine Häuschen leer und es wurden einige Kunstaktionen organisiert. dot architects plant dort selbst ein Curry-Restaurant zu öffnen, da ein Mitarbeiter sieben Jahre lang in Indien gelebt und Erfahrung in der indischen Küche hat.

Architektur ist Handarbeit

In seiner Jugend arbeitete Ienari gern auf der Baustelle und Shakusiro spielte gern in der Werkstatt seines Vaters. Wahrscheinlich ist daher das »Selbstmachen« ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. So haben sie ihr erstes Haus »No.00« nicht nur geplant, sondern den Großteil selbst vor Ort gebaut.
Bei der Naturkatastrophe in Hanshin-Awaji (1995) wurde das eigene Haus von Ienari komplett zerstört. Durch diese Erfahrung entwickelten sie ein System für ein Haus, welches man ohne spezielle Vorkenntnisse einfach errichten kann. Mit leichten Verbindungsteilen kostet das kleine Haus ca. 25.000,- Euro. Diese Idee als »Umaki Camp« wurde im Rahmen des Kunstfestes in Shodo-Insel im Jahr 2013 realisiert. Ein Mitarbeiter arbeitete vier Monate lang vor Ort und an den Wochenenden bauten Ienari und Shakushiro zusammen an dem Haus.
Auf der Shodo-Insel gibt es auch den »Beat-Shrine« von dot architects. Eine Skulptur von Kenji Yanobe sollte vor dem Regen geschützt werden. Sie bedienten sich der traditionellen Schreingebäudetypologie, welche ein Dach über der Skulptur aufspannt. Da die Figur sich auf und ab bewegt, kann auch das Dach auf und ab bewegt werden. Hierfür sind acht Menschen notwendig, um mit Pumpen aus Wagenhebern das Dach zu transportieren. Um diese analoge Bewegung auszuführen, muss man kommunizieren. dot architects wählten diesen Ansatz bewusst, um die Bewohner und Gäste miteinander ins Gespräch zu bringen.

Dialoge für die Raumgestaltung
Was ist das Konzept für diese Decke?
Ein Gemälde »der sommerlichen Abendkühle« von Kusumi Morikage (17. Jahrhundert) zeigt eine gemütliche Atmosphäre mit einer sehr leichten Decke auf dünnen Stützen. Wir denken, eine Decke kann einen Raum definieren.
In diesem Gemälde entspannt sich eine Familie ähnlich wie im
Logo vom Japanischen Haus. Ist es eine japanische Charakteristik sich mehr in Bodennähe zu entspannen?
In Japan wohnte man längere Zeit ohne Stühle und Tische und sitzt direkt auf den Tatamimatten des Bodens. In diesem Bild können wir die angenehme
Atmosphäre erspüren, gemeinsam mit der Familie unter einem schattigen Ort zu weilen.
Die verwendete Konstruktionsmethode des Flechtens ist eine einfache und kostengünstige Verbindung ohne technische Hilfsmittel. Wer das System verstanden hat, kann es selbst herstellen. Ist das ein Grundgedanke Eurer Architektur? Wie möchtet Ihr dies in Zukunft weiter entwickeln?
Wir interessieren uns für Konzepte, bei welchen jeder mitmachen kann. Wir möchten gerne weiter Ideen in die Architektur einbringen, welche für alle zugängig und mit Freude umsetzbar sind.

Noriko Minkus
Das Japanische Haus e. V.
www.djh-leipzig.de