Schulbaukonferenz Teaser 01


Einladung zur Schulbaukonferenz Sachsen 2016

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, liebe Kollegenschaft,

»Können Sie eine Schule für uns bauen, Herr Architekt?« fragt der Bauherr. »Was für eine Schule brauchen Sie denn?« fragt der Architekt zurück. »Eine, die unsere Kinder fordert und fördert, die sie inspiriert und stark macht, eine, die unseren Lehrenden einen gesunden Arbeitsplatz anbietet, die von Tageslicht durchflutet ist, ohne sich aufzuheizen, eine, die allen technischen Anforderungen genügt, die als Treffpunkt für die Gemeinde dient, in der man gerne Feste feiert, die transkulturell verstehbar ist, eine, die richtig schön aussieht, aber nicht viel kostet«, erwiderten der Bauherr und seine Gemeinschaft.

Unsere Welt wird mit jedem Tag komplexer. Unser Alltag ist durch täglich wechselnde Themen und gleichzeitig durch Dauerdiskurse bestimmt, mit denen wir uns auseinandersetzen und zu denen wir uns positionieren müssen. Längst zeichnet sich ab, dass der Versuch zu verstehen, was Globalisierung für uns alle bedeutet, eines der Leitthemen des 21. Jahrhunderts ist. Wie es gelingen kann, Menschen als selbstbestimmte Individuen und verantwortungsbewusste, empathische soziale Akteure ganzheitlichmit modernen Mitteln humanistisch zu bilden, ist ein zentrales Thema der europäischen Humanismusgeschichte und der Architektur seit der frühen Antike.

Immer wieder zeigt es sich, dass Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Resilienz Eigenschaften sind, die die Überlebenschancen der Menschheit stärken und die uns als Spezies ausmachen. Wer nichts lernt aus seinen Fehlern, läuft Gefahr, diese zu wiederholen mit allen Konsequenzen, die das in einer sich immer schneller verändernden Welt mit sich bringt. Zu verlangen, dass Kinder sich zielstrebig entwickeln und den komplexen Anforderungen der Erwachsenenwelt anpassen, ohne diese Leistungsbereitschaft von uns selbst als Entscheidungsträger zu verlangen, ist höchst widersprüchlich. Wie tun wir also das Richtige für unsere Kinder? Die Frage, welche Art von Schule für die Zukunft nötig ist, stellt sich immer wieder neu. Ohne Bewährtes komplett über Bord zu werfen, sind neue Impulse und Innovationen wichtig. Es gibt viele Antworten auf die Frage, was für eine Schule ein Bauherr braucht. Umso wichtiger ist es, frühzeitig miteinander ins Gespräch zu kommen, Ziele und Möglichkeiten zu erörtern und gemeinsame Planungen zu entwickeln.

Neueste Computertechnologie wie das Building Information Modeling (BIM) bietet Architekten und Bauherren nicht nur die Chance, die Kosten- und Terminsicherheit zu optimieren und eine serienmäßige Vereinfachung des Bauens zu erzielen, um u.a. das um das Risiko zu minimieren und die Gewinnspanne zu erhöhen. Weit mehr ist möglich, wenn diese Instrumente in kompetenter und kreativer Weise genutzt werden: die Technologie ermöglicht es, den Überblick über die Bauprozesse zu schärfen und damit eine weitaus größere Komplexität zu beherrschen. Das bietet eine große Chance, maßgeschneidert und erfinderisch zu planen und zu bauen, damit unsere gebaute Umgebung ebenso wie die Gesellschaft selbst die produktive Vielfalt entfalten kann, die für jede nachhaltige Weiterentwicklung dringend notwendig ist. Entscheidende Schritte hin zu diesem Ziel wären ein wirklich offener Wettbewerb um die besten Ideen und eine verbesserte Kommunikation und Kooperation zwischen Planungsbüros unterschiedlicher Größenordnung und Ausrichtung – gerade so, wie der partnerschaftliche Ausgleich der jeweiligen Stärken und Schwächen des anderen, die Förderung von Pluralismus und Partizipation Kernpunkte aller nachhaltigen pädagogischen Konzepte sind.

Aus all diesen Gründen haben wir entschieden, eine Schulbaukonferenz ins Leben zu rufen. Wir wollen aufzeigen, dass wir als Architekten bei diesem Kernthema wichtige Akteure der modernen, pluralistischen Gesellschaft sind. In den kommenden Jahren werden in Sachsen viele Schulen gebaut werden. Dies bringt eine enorme Verantwortung für unseren Berufsstand mit sich. Architektur und die Gestaltung von Raum haben immer Einfluss – bewusst oder unterbewusst – auf das Raumerlebnis, das Wohlgefühl und die Aufnahmefähigkeit der Nutzer. Deshalb muss es unser Thema sein, inklusive Schulen zu bauen, die Barrierefreiheit ebenso einschließen wie transkulturelle Leitsysteme, räumliche Flexibilität, neue Medien, tradierte Errungenschaften wie beispielsweise Bibliotheken und eine maßgeschneiderte Beleuchtung, die Gesundheit, Freude, Motivation, Spaß am Lernen und Lehren mit Würde ermöglichen. Alles das, wenn nicht mehr, macht Schulen aus, in denen Lehrerinnen und Lehrer mit Kindern und jungen Menschen einen Dialog aufbauen können und jeden Tag eine neue Chance haben, unsere Welt für die Zukunft zu gestalten.

Die Schule ist nicht zuletzt ein idealer Bautyp, um das gesamte Spektrum unserer Fähigkeiten als Architekten zu demonstrieren und gleichermaßen ein politisches Vehikel für unsere Kompetenz als zivilgesellschaftliche Kraft.
Die Schulbaukonferenz Sachsen 2016 möchte als interdisziplinäre Informationsplattform einen Beitrag dazu leisten, ein transdisziplinäres Verständnis der diversen Akteure im Schulbau untereinander und für die komplexen Aspekte und Perspektiven im Prozess zu fördern. Am ersten Konferenztag stehen universelle Fragen zu Schule und Schulbau auf dem Programm: historische Entwicklungen und Bezüge, das Wesen von Schulbau-Architektur, die Verbindung von Schule, Schulbau und Stadtplanung sowie Analysen zum inhaltlichen und räumlichen Verständnis. Das Programm des zweiten Konferenztages fokussiert mit Vorträgen auf Schulbau-Perspektiven aus Sicht von Auftraggebern, Bauherren und ausführenden Architekten. In einem praxisbezogenen Publikumsdialog können die Teilnehmer am Nachmittag spezifische Themen fakultativ vertiefen.

Beide Konferenztage werden von einer thematisch fokussierten Sonderausstellung begleitet, zusammengestellt aus persönlichen Eindrücken, Bildern und Erfahrungsbeispielen von Mitgliedern der Architektenkammer Sachsen und Gästen. Zwischen den Fachvorträgen und Workshops hält diese parallele SCHUL-KON-Ausstellung Impulse, Denkanstöße und vielfältige Gesprächsstoffe bereit, so dass Teilnehmer und Gäste zum Dialog animiert werden und in konstruktiven Gesprächen darüber nachsinnen können, wie Schule und Schulbau gedacht und neu gedacht werden können. Vielleicht bietet die Ausstellung auch Ihnen Anregung, begleitend zum Kaffee in der Pause.

Ihnen und uns allen wünsche ich nun für die Konferenztage viel Erfolg, den einen oder anderen neuen Impuls für die Arbeit, gute Begegnungen und konstruktive Diskussionen miteinander!

Ruairi O’Brien

Mit freundlicher Unterstützung von:

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