Gruß zum Jahreswechsel 2022

Wenn ich in diesen Tagen ein Jahr zurückdenke – Corona hatte uns im Griff, die gerade neu entwickelten Impfstoffe wurden noch als exklusives Privileg an wenige verteilt, verhießen aber auf die Dauer Hoffnung für alle – hätte ich mir nicht vorstellen können, dass die Situation heute eher noch schlimmer ist. Die Fallzahlen sind (gerade in Sachsen) höher denn je, gleichzeitig spalten die anhaltenden Debatten über den richtigen Kurs aus der Krise die Gesellschaft in einer Weise, die lange nicht zu kitten sein wird.

Dabei haben wir wirklich Besseres und Wichtigeres zu tun, und die meisten von uns konnten ja auch im letzten Jahr trotz Pandemie weitgehend normal weiterarbeiten und haben erfolgreich ihren Beitrag zur gebauten Umwelt und damit für unser aller Lebensumfeld geleistet.

Zukünftig wird vor allem das Aufhalten des Klimawandels eine gemeinsame Anstrengung sondergleichen erfordern – zumal sich das Klima genau so wie der Virus konsequent den Naturgesetzen entsprechend verhält und nicht im Diskurs von „Meinungen“ verhandelbar ist. Der Umbau von Wirtschaft, Mobilität, Energieversorgung, Landwirtschaft und Konsum zu einer klimaverträglichen Lebensweise ist die Mensch- heitsaufgabe dieses Jahrhunderts, und aufgrund des bereits angerichteten Schadens läuft uns rapide die Zeit davon – Klimaneutralität 2045 ist das Ziel.

In den nächsten fünf bis zehn Jahren müssen die wesentlichen Weichenstellungen dafür erfolgt sein, und auch wenn nicht alle der von den UN propagierten 17 »Sustainable Development Goals« von Relevanz für unseren Berufsstand sind, so bleiben doch gewichtige Handlungsfelder, bei denen wir unsere Kompetenz einbringen können und müssen: etwa die Reduzierung des Flächenverbrauchs und des Versiegelungsgrads, kritisches Hinterfragen von Neubauvorhaben zugunsten von Umnutzung, Umbau und Sanierung, Energetische Sanierung des Gebäudebestands in wesentlich größerem Umfang als bisher, Umstellung des Gebäudebetriebs auf erneuerbare Energieträger bis hin zum klimaresilienten Stadtumbau angesichts immer häufigerer Hitzesommer.

Prinzipiell sind wir Architektinnen und Architekten prädestiniert für die anstehenden Aufgaben: wir sind dafür ausgebildet, komplex und lösungsorientiert zu denken und aus einer zunächst abstrakten Zielvorgabe im Laufe des Planungsfortschritts zu praktisch umsetzbaren, bis ins Detail durchdachten Ergebnissen zu kommen. Es gehört für mich zu den schönsten Eigenheiten unseres Berufs, dass eben nicht Studien, Positionspapiere oder Absichtserklärungen Ergebnis unserer Arbeit sind, sondern real nutzbare Gebäude, (Stadt-)Räume und Freiflächen, die vielen Menschen zugutekommen.

Ganz entscheidend – und vielleicht Alleinstellungsmerkmal unseres Berufs – ist, dass wir neben der rein technischen, ingenieurmäßigen Umsetzung immer auch die Gestaltungsqualität mitdenken, und da wir alle in gebauter Umwelt leben, ist es eben nicht egal wie sie aus- sieht. Die Weltrettung ist komplex, ihre Umsetzung ist teuer, dann darf und soll sie aber wenigstens auch schön sein!

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass für die kommenden Aufgaben neue Qualifikationen notwendig sind. Mein persönlicher Vorsatz für 2022 ist, mich in Sachen Nachhaltigkeit, Ökobilanzierung und Lebenszyklusbetrachtung fortzubilden, um meine Bauherrinnen und Bauherren kompetent beraten zu können und für kommende Anforderungen gewappnet zu sein – vielleicht ist das ja auch für Sie ein Thema?

Ich wünsche Ihnen ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2022 und uns allen, dass wir gemeinsam die notwendigen Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Gute Ideen dafür wünscht

Ihr Präsident
Andreas Wohlfarth