Architektur macht Schule

»...obwohl die Architektur das alltägliche Leben der Menschen prägt, ist sie nach wie vor kein selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts.«

Die Zukunft unserer Städte und Dörfer wird unter anderem dadurch bestimmt sein, wie heutige Kinder es lernen, kreativ und verantwortungsbewusst mit ihrer gebauten Umwelt umgehen. Für das Erkennen dieser zukünftigen Verantwortung und die Sensibilisierung für die bauliche wie die ästhetische Qualität unserer Lebensumwelt kann Schule einen wesentlichen Impuls geben. Unter der Prämisse „sehen-verstehen-zeigen“ wird nicht nur die Wahrnehmung des eigenen Lebensraumes (und darüber hinaus) geschult, sondern auch grundlegende architekturtheoretische, stadt- und freiraumplanerische Grundlagen vermittelt. Zudem werden den Jugendlichen Möglichkeiten aufgezeigt, sich aktiv an Gestaltungsprozessen zu beteiligen und diese in eigenen kreativen Projekten umzusetzen.

 »Architektur macht Schule« wird seit 2013 erfolgreich an sächsischen Schulen durchgeführt. Inzwischen konnten 53 Projekte abgeschlossen werden. Finanziert wird das Projekt seit 2018 durch eine vollständige Förderung seitens der sächsischen LEADER-Regionen Schönburger Land, Tor zum Erzgebirge, Erzgebirgsregion Flöha – Zschopautal, Zukunftsregion Zwickauer Land und Zwönitztal-Greifenstein-Region. Für den neuen, bis 2023 laufenden Projektzeitraum konnte die Kooperation um weitere LEADER-Regionen ausgebaut werden, so dass »Architektur macht Schule« von der Stiftung Sächsischer Architekten an elf Schulen in den LEADER-Regionen Schönburger Land, Dresdner Heidebogen, Land des Roten Porphyr, Südraum Leipzig, Tor zum Erzgebirge, Vogtland, Westerzgebirge, Zukunftsregion Zwickauer Land und Zwönitztal-Greifensteine umgesetzt werden kann.

 

Der Projektverlauf

Das Projekt beginnt mit einer Auftaktveranstaltung im Zentrum für Baukultur Sachsen im Kulturpalast Dresden. Bei dieser Veranstaltung sind alle sich am Projekt beteiligenden Schüler:innen, Lehrer:innen, Architekt:innen, Stiftungsmitarbeiter:innen und  LEADER-Manager:innen anwesend. Nach einer kurzen Vorstellung der Stiftung und den LEADER-Regionen folgt eine Einführung in das Projekt „Architektur macht Schule“ und den geplanten Projektdurchlauf. Die Veranstaltung endet mit einer Führung durch den Kulturpalast Dresden oder der Dresdner Innenstadt sowie einem Mittagsimbiss.

Danach beginnt die eigentliche Projektarbeit an den Schulen. Die mitwirkenden Schulklassen erarbeiten sich gemeinsam mit den Betreuern ihr Thema im Rahmen des Schulunterrichts. Die Projekte werden durch Lehrinhalte der Fächer Kunst, Geografie, Biologie, Mathematik, Deutsch und geisteswissenschaftliche Profile bereichert und verdeutlichen den ganzheitlichen Stellenwert von Architektur für unsere Gesellschaft als Lebensraum und als Ort der Begegnung.

Die Herangehensweise an die jeweiligen Projekte orientiert sich an den Lerninhalten der jeweiligen Fächer. Dabei starten die Projekte entsprechend unterschiedlich: mit einer Exkursion zum eigentlichen Objekt oder mit dem Erarbeiten von theoretischem Grundwissen zu Architekturepochen, Baustilen, technischen Besonderheiten. Der Schwerpunkt liegt dann auf dem praktischen Teil. Hier wird der Kreativität der Schüler:innen keine Grenzen gesetzt, was an den vielfältigen Ergebnissen deutlich wird. Es entstehen u.a. Analysen, Zeichnungen, Fotografien, Modelle, Collagen oder multimediale Kunstprojekte.

Der Zeitaufwand beträgt durchschnittlich 7 bis 8 Doppelstunden im regulären Unterricht oder im Rahmen von Neigungskursen, Ganztagsangeboten, Vertiefungskursen oder Projekttagen. Hinzu kommt die Vorbereitung der Abschlusspräsentation und der Exkursionen. Die Schulen erhalten eine Finanzierung für notwendige Sachmittel und die Durchführung von Exkursionen zur Umsetzung ihrer Projektinhalte. Teil des Projektes sind ganztägige Exkursionen, auf denen sich die Jugendlichen Anregungen für das von ihnen bearbeitete Thema aneigneten.


Durch die Beschäftigung mit einem konkreten Objekt wird man zudem den pädagogischen Forderungen nach außerschulischem Lernen gerecht. Es bilden sich Teams aus je einer Schule und einem Fachexperten, die sich im laufenden Schuljahr Gebäude, Freiräume oder städtebauliche Strukturen erschließen. Ergänzend zur theoretischen Annäherung setzen sich die Schüler:innen praxisorientiert und künstlerisch mit den Objekten auseinander. Ziel des Gesamtprojekts ist es, Architektur jenseits der bekannten Muster auf anspruchsvolle und unterhaltsame Art zu erklären und zu vermitteln. Erstaunlich ist dabei, welch unglaubliche Kreativität die Schüler:innen bisher entwickelt haben. Zugleich werden grundlegende menschliche Fähigkeiten trainiert. Baukulturelle Bildung schult das Sehen und Erleben, fördert Interdisziplinarität und Teamwork und hilft, historisches und ökologisches Bewusstsein zu entwickeln.

Ein wesentlicher Bestandteil des pädagogischen Konzeptes von „Architektur macht Schule“ ist das öffentliche Präsentieren der gewonnenen Erkenntnisse und entwickelten Ideen auf einer Abschlussver-anstaltung am Schuljahresende. Anhand der vielseitigen Projektergebnisse wird deutlich, dass sich die Schüler mit viel Freude, Neugier und großem Interesse mit den vielseitigen Themen Architektur, Stadtplanung und gestalteten Freiräumen auseinandersetzen.