Walter Herzog – Eine Retrospektive

Eine Ausstellung der Stiftung Sächsischer Architekten im Haus der Architekten


AUSSTELLUNG: 5. Mai bis 16. Juni 2022

VERNISSAGE: 5. Mai, 18:00 Uhr

Um Anmeldung wird gebeten unter dresden©aksachsen.org

 

Es sind die vertrauten heimischen Landschaften zwischen Elbsandsteingebirge, Harz und Stubbenkammer auf Rügen, die als primäres Sujet mit dem beachtlichen Lebenswerk des Künstlers Walter Herzog in Verbindung gebracht werden. Altmeisterlich in feinen, fast zart verdichteten Linien zur Komposition gereift und vornehmlich als detailreiche, exklusive Radierkunst gefertigt, zeugen seine Baumgruppen, Wurzeln, Fels- und Flusslandschaften, aber auch Brücken, Treppen und Ruinen von historischen Linien und geistigen Berührungspunkten zu Hercules Seghers, Giovanni Battista Piranesi und Charles Meryon. Im künstlerischen Ausdruck ist sein Bildwerk aber unverwechselbar durch die untrüglichen Zeichen der Gegenwart und als Metapher für Vergänglichkeit, Leben und Tod. Poetisch verdichtet und ambivalent impliziert seine Radierkunst eine elegische Stille und melancholische Grundstimmung, die ihn zu einem bedeutenden Vertreter eines romantisch-sensualistischen Realismus der Gegenwart werden lässt.  

Weniger bekannt ist, dass der in Dresden gebürtige, inzwischen 85-jährige Walter Herzog zunächst als Architekt tätig war. Schon in Kinderjahren zeigte er eine überaus zeichnerische Begabung, nahm aber – weil ihm aus ideologischen Gründen der Besuch einer Oberschule verwehrt blieb – zunächst eine Maurerlehre auf und besuchte die Görlitzer Fachschule für Bauwesen. Parallel dazu schulte er seine künstlerischen Fähigkeiten in Zeichenkursen bei Etha Richter. 1957-60 studierte er schließlich Architektur an der TH Dresden, wobei ihn der Malerei und Grafik lehrende Georg Nerlich nachhaltig prägte. Anschließend als Architekt für das Stadtbauamt Dresden und die TH Dresden tätig, gehörte er 1962 zu jener Architektengruppe, deren vielversprechendes Projekt für ein Hotel am Altmarkt aus baupolitischen Gründen abgewickelt wurde und ihn in den - in der DDR eigentlich nicht möglichen - Zustand der Arbeitslosigkeit versetzte. Ostberlin bot begabten Jungarchitekten jedoch attraktive Bauaufgaben, die auch Walter Herzog 1963 anzogen. Als angestellter Architekt wirkte er dort an international beachteten Prestigeprojekten wie dem Außenministerium der DDR und dem Palast der Republik mit. Von seiner sachlich-funktionalen, den Geist der zeittypischen Nachkriegsmoderne atmenden Architektursprache zeugen heute jedoch nur noch die als Ausstellungs- und Gaststättenzentrum entworfenen zweigeschossigen Pavillonbauten am Fuß des Fernsehturms. 1969 nahm Walter Herzog seine künstlerische Arbeit wieder auf und wurde alsbald in den Verband Bildender Künstler aufgenommen. Ab 1973 wurden seine Grafiken in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, für die er 1980 seine Architektentätigkeit aufgab.

Architektenkammer Sachsen und Stiftung Sächsischer Architekten widmen dem begnadeten Architekten und Künstler Walter Herzog eine Ausstellung im Haus der Architekten in Dresden, bei der erstmals die romantisch-realistischen Druckgrafiken des Wahlberliners seinem sachlich-modernen architektonischen Werk gegenüberstehen. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner und mit freundlicher Unterstützung von art + form Dresden statt. 

Kuratoren: Susann Buttolo, Christine und Walter Herzog, Dorit Schmidt